Barcelona. (wak) Die touristische Costa Brava wurde am Dienstag Schauplatzes eines Showdowns, wie es in keinem Western besser inszeniert werden könnte. Denn in dem katalanischen Ort Pineda de Mar, nördlich von Barcelona, hat die Madrider Zentralregierung rund 400 Polizisten der Nationalgarde untergebracht. Und der katalanische Zorn gegen diese und die Guardia Civil kennt derzeit kaum Grenzen.

Bekanntermaßen sollten die nationalen Polizisten garantieren, dass die öffentliche Ruhe und Ordnung am vergangenen Sonntag in Katalonien bewahrt wird - am Tag, den die katalanische Regierung als Tag des Unabhängigkeitsreferendums ausgerufen hatte. Die Zentralregierung wollte die als illegal qualifizierte Abstimmung offenbar um jeden Preis verhindern. Es kam zu Ausschreitungen; die Folge waren mehr als 800 Verletzte und Videodokumente, in denen zu sehen war, dass die von Madrid entsandten Uniformierten unter anderem Gummigeschosse gegen friedliche Zivilisten eingesetzt hatten. Der Dienstag wurde in Katalonien auch zu einem Protesttag gegen die Polizeigewalt ausgerufen.

Und die Polizisten sollen endlich aus Katalonien hinaus, finden viele. Am Montag hat etwa Kataloniens Regierungschef Carles
Puigdemont bereits gefordert, dass die Uniformierten wieder von Madrid abgezogen werden.

Manche wollten aber gar nicht so lange warten.

Laut dem Manager der beiden Hotels im Touristenort Pineda, des Chekin Mont-Palau und des Chekin Pineda, drohte die Gemeinde, dass der Mann entweder den Aufenthalt der Nationalgarde in Form einer Aufkündigung der Hotelzimmer verkürzt oder dass die Hotels stattdessen ihre Lizenz für fünf Jahre verlieren würden.

Das stimmt nicht, dementierten später Gemeinderegierung und Hotelleitung. Es habe keinen Druck gegeben. Aber nach den Ereignissen des Sonntags haben die Hotelleitung und das Rathaus sehr wohl über die Möglichkeit gesprochen, wie man den Aufenthalt der Regionalpolizei verkürzen könnte "aus Gründen der Sicherheit und damit das ungestörte Zusammenleben in der Gemeinde garantiert werden kann". Im Internet sind Videos zu finden, in denen aufgebrachte Anrainer Schimpfchöre gegenüber den Polizisten vor den Hotels anstimmen.

Am Montag hätte man sich geeinigt, den Aufenthalt der Polizisten mit dem Dienstag zu beenden - am Donnerstag wären sie ohnedies abgereist.

Während ein Teil der Polizisten in den Hotelzimmern verharrte und ein anderer Teil vor den Etablissements Stellung bezog, ließ der spanische Innenminister Juan Ignacio Zoido seine Truppen wissen, sie sollen so lange im Hotel bleiben, wie der Unterkunftsvertrag aufrecht war. Unterdessen werde man laut Zoido "alles Nötige unternehmen", um die "Verfolgung zu stoppen".

Die Regionalpolizei Mossos d’Esquadra, die sich ja geweigert hatte, die Abstimmung vom Sonntag zu behindern, erklärte unterdessen auf Twitter, man solle bitte die Gereiztheit nicht noch anheizen, die Katalanen sollen die Orte, an denen die Polizisten wohnen, doch respektieren.

Der angekündigte Generalstreik kam indes nicht zustande, da die größten spanischen Gewerkschaften, CCOO und UGT, die sich ursprünglich dem Aufruf angeschlossen hatten, ihre Teilnahme am Montag zurückgezogen haben. In der katalanischen Hauptstadt Barcelona haben am Dienstag dann laut städtischer Polizei 300.000 Menschen gegen Polizeigewalt demonstriert.

König sieht Stabilität in Gefahr

Kataloniens Regierungschef Puigdemont forderte die Demonstranten auf, friedlich zu protestieren: "Lasst euch nicht durch Provokationen aufregen. Die Welt hat es gesehen: Wir sind friedliche Menschen", fügte er hinzu.

Dennoch hat Spaniens König Felipe VI. der Regionalregierung in Barcelona gefährliches Vorgehen vorgeworfen. "Mit Ihrem unverantwortlichen Verhalten können Sie die Stabilität Kataloniens und ganz Spaniens in Gefahr bringen", sagte das Staatsoberhaupt am Dienstagabend in einer Fernsehansprache. Spanien müsse seine "verfassungsmäßige Ordnung" gegen die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen verteidigen, erklärte der König.