Barcelona/Madrid. (wak) Die Definition von Wahnsinn ist immer wieder das Gleiche zu tun - und andere Ergebnisse zu erwarten.

Beobachter der Krise um Katalonien können nicht umhin, dieser Tage an jene Binsenweisheit zu denken, die Albert Einstein zugeschrieben wird.

Die aktuelle Runde im Trauerspiel rund um die Selbstbestimmung Kataloniens wurde vor mehr als einer Woche eingeläutet: Damals blickte man gebannt nach Barcelona. Die Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Würde Katalonien es wagen, nach dem umstrittenen Referendum die einseitige Unabhängigkeit auszurufen oder nicht? Und was kommt danach?

Die salomonisch anmutende Entscheidung von Kataloniens Regierungschef Carles Puigdemont: Er erklärte, er proklamiere zwar die Unabhängigkeit von Spanien, setze sie aber sofort aus, um mit Madrid konstruktive Gespräche zu führen. Damit verhinderte Puidgemont vorerst, dass seine Regierung via dem 155.Verfassungsartikel entzogen wird.

Madrid erklärte postwendend, Puigdemont solle sich entscheiden, ob das nun eine Unabhängigkeitserklärung, oder nicht gewesen sei. Katalonien habe nun bis Montag, 10 Uhr Zeit, die Sache klarzustellen. Falls, ja falls Puigdemont sich entscheidet, dass es eine Unabhängigkeitserklärung war, setze man ihm sogleich die nächste Frist, Donnerstag, 10 Uhr. Bis dahin könnte er die Erklärung wieder zurücknehmen.

Nun hat es Puigdemont vermieden, Madrid am Montag einen Grund zu liefern, um der Region ihren Autonomiestatus zu entziehen. Er spielt weiter auf Zeit und schickte stattdessen einen Brief, der das Gesetz zum Referendum und einen Bericht über den Einsatz der überzogenen Polizeigewalt am Abstimmungstag beinhaltet. Außerdem schlug Puigdemont eine zweimonatige Frist für Verhandlungen vor.

Nachfrist mit Mahnung

Madrid schäumte. Das war ganz und gar nicht die Klarstellung, auf die man gehofft hatte. Nun setzte man Barcelona "das letzte" Ultimatum: Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont habe nun bis Donnerstag um 10.00 Uhr die Möglichkeit, die Abspaltungspläne endgültig ad acta zu legen und zur verfassungsmäßigen Ordnung zurückzukehren, erklärte die stellvertretende Ministerpräsidentin Soraya Saenz de Santamaria am Montag.

Einem auf diese Rede folgenden Bericht des Fernsehsenders TV3 zufolge wird laut gut informierten Kreisen aber die katalanische Regierung auch am Donnerstag nicht auf die neue Frist von Madrid reagieren.

Unterdessen forderte die Staatsanwaltschaft in Madrid die sofortige Inhaftierung ohne der Möglichkeit auf Kaution von dem Chef der katalanischen Regionalpolizei Mossos d’Esquadra, Josep Lluís Trapero. Ihm wird das Delikt des Aufstandes zur Last gelegt, und es gibt laut der Staatsanwaltschaft nun das Risiko der Wiederholungsgefahr. Die zuständige Richterin Carmen Lamela hatte bereits eine Kollegin Traperos mit dem Verbot der Ausreise aus Spanien belegt.

Laut der Staatsanwaltschaft, die sich auf Informationen der paramilitärischen Guardia Civil beruft, ist Trapero der "ausführende Arm" des strategischen Plans, zur Unabhängigkeit Kataloniens zu gelangen. Es gab laut der Untersuchung einen Generalbefehl, nicht mit den nationalen Sicherheitsbehörden zusammen zu arbeiten, die die Abstimmung am 1.Oktober verhindern wollten.