Der Europäische Haftbefehl für die Katalanen in Brüssel wurde ausgestellt. Momentaner Stand der Dinge: Bis zu einer Entscheidung über die Auslieferung müssen Puigdemont und seine Gefährten die Brüsseler Behörden über ihren Aufenthaltsort in Kenntnis halten - und dürfen Belgien bis auf weiteres nicht verlassen. Auch die Chefs der beiden Organisationen Katalanische Nationalversammlung (ANC) und Omnium Cultural, Jordi Sanchez und Jordi Cuixart, sitzen in spanischer U-Haft.

Die Anerkennung von Madrid

Forcadell und ihre Kollegen hatten offenbar keine Lust, als weitere Märtyrer in die katalanische Geschichte einzugehen, indem sie hinter Gitter wandern. Zum Redaktionsschluss hatten Forcadell und zwei ihrer Mitangeklagten - drei weitere waren noch nicht zu Wort gekommen - bereits vor Gericht erklärt, dass sie die Anwendung der Zwangsverwaltung durch Artikel 155 der spanischen Verfassung "anerkennen" - und damit indirekt auch die Herrschaft des spanischen Zentralstaats. Die Deklaration der Unabhängigkeit hätte lediglich "symbolischen Charakter" gehabt. Damit gilt es als wahrscheinlich, dass die Abgeordneten gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben dürfen.

Aber nicht nur die Höchstgerichte beschäftigen sich wohl in nächster Zeit mit der katalanischen Krise. Nach einem partiellen Streiktag am Mittwoch in Katalonien - um die U-Häftlinge freizubekommen - kündigte der spanische Innenminister Juan Ignacio Zoido an, man werde sich die Bilder des Tages genau ansehen, um radikale Streikposten zu identifizieren. "Es wird nicht gratis für sie werden", setzte Zoido hinzu. Politisch motivierte Streiks sind in Spanien, anders als in Österreich, nur in Verbindung mit der Durchsetzung von Arbeitsrechten erlaubt.

Russische Propaganda

Dass sich in Spanien die Fronten verhärten, dürfte auch im Interesse Russlands sein. Die EU-Taskforce "East Stratcom", die gegen russische Desinformation auf Fake-News-Seiten wie Sputnik ankämpft, beschäftigte sich seit ihrer Gründung 2015 vor allem mit Meldungen über die Ukraine oder den deutschen Wahlkampf. Doch in den letzten Wochen nahmen die von Russland gesteuerten Falschmeldungen über Katalonien zu. Das East-Stratcom Portal EUvsDisinfo.eu verzeichnet etwa auf Russland rückführbare Meldungen wie "Die EU muss die katalanische Unabhängigkeit anerkennen und Madrid bombardieren", sowie "EU-Amtsträger unterstützten die Gewalt gegen die katalanische Bevölkerung". Und "Spanisch wird inzwischen als Fremdsprache in Katalonien qualifiziert."

Wozu die Fake-News über Katalonien? Generell gehe es der Propagandamaschinerie des Kreml darum, "den politischen Mainstream in Europa zu unterminieren", erklärte vor kurzem der Chef der Task Force, Giles Portman.