Den Haag. Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat den ehemaligen Armeechef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, wegen des Massakers von Srebrenica und weiterer Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter in Den Haag sprachen ihn in zehn der elf Anklagepunkte schuldig und folgten mit dem Strafmaß am Mittwoch dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten auf Freispruch in allen Punkten oder höchstens 15 Jahre Haft plädiert.

Keine Reue war Mladic bei der Verkündung des Urteils anzumerken. Er bekreuzigte sich beim Betreten des Gerichtssaals und wandte sich mit emporgerecktem Daumen lächelnd in Richtung Journalisten. Die Verlesung des Urteils in Den Haag verfolgten auch etliche Familienangehörige von Kriegsopfern.

Die Urteilsverkündung wurde inmitten der Verlesung des Abschnitts zu Srebrenica unterbrochen. Mladics Anwälte hatten unter Hinweis auf den hohen Blutdruck des Angeklagten diese beantragt, beziehungsweise gefordert, nur das Urteil zu verkünden. Das Gericht lehnte den Antrag ab. Mladic protestierte daraufhin lautstark, weshalb er aus dem Gerichtssaal entfernt  und in einen Nebenraum gebraucht wurde.

Systematische Tötungen

Während der Urteilsverkündung stellte das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien fest, dass in der damaligen muslimischen UNO-Schutzzone Srebrenica von bosnisch-serbischen Truppen im Juli 1995 Völkermord, Vertreibungen, Tötungen und unmenschliche Zwangsumsiedlungen durchgeführt worden seien.

Nach der Einnahme der muslimischen UNO-Schutzzone Srebrenica seien zwischen dem 12. und 17. Juli 1995 in der Umgebung der ostbosnischen Kleinstadt "systematisch" mehrere tausend muslimische Männer ermordet worden, stellte das Haager Gericht fest. Zwischen 20.000 und 30.000 muslimische Frauen, Kinder und alte Menschen seien gleichzeitig auf das Gebiet unter dem Kommando der bosniakischen (muslimischen) Armee transportiert worden. Ziel war es, die muslimische Enklave "serbisch" zu machen.

Weitere Verurteilungen

Das UNO-Kriegsverbrechertribunal hat neben Mladic bisher auch drei seiner einstigen engsten Mitarbeiter zu lebenslangen Haftstrafen wegen des Srebrenica-Massakers verurteilt. Mehrere andere bosnisch-serbische Offiziere erhielten lange Haftstrafen.