München/Berlin/Wien. Wacker verteidigt Horst Seehofer den vielgescholtenen Christian Schmidt. Er könne nicht verstehen, dass der Landwirtschaftsminister so abgekanzelt werde, sagte Bayerns Ministerpräsident zur "Süddeutschen Zeitung". Seehofer spielt auf Schmidts eigenmächtiges Ja zur Verlängerung des Unkrautvernichters Glyphosat um fünf Jahre auf EU-Ebene an. Sogar Kanzlerin Angela Merkel rügte Schmidt dafür. Schließlich boxte der CSU-Politiker seinen Alleingang ohne Zustimmung der SPD durch. Die Sozialdemokraten sind empört, Parteichef Martin Schulz ortet einen "massiven Vertrauensverlust". Seehofer bleibt von der Kritik ungerührt: "Die CSU spricht Christian Schmidt ihre Rückendeckung aus."

An innerparteilicher Unterstützung mangelt es dagegen dem CSU-Chef und Ministerpräsidenten selbst. Bereits am Montag könnte der Machtkampf um seine Nachfolge entschieden werden. Seehofer soll sich der Landtagsfraktion erklären. "Dann werden wir entscheiden und vermutlich einen Spitzenkandidaten küren für das Amt des Ministerpräsidenten, den wir der Partei vorschlagen werden", sagte Fraktionschef Thomas Kreuzer. Er sprach sich eigenen Angaben zufolge mit Seehofer ab, dass die Personalfrage am Montag zunächst in der Fraktion und anschließend im Parteivorstand erörtert werden soll. Mitte Dezember soll beim Parteitag der Christsozialen der Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Herbst 2018 offiziell abgenickt werden.

Söder in der Fraktion beliebt

Während Seehofer auf Zeit spielt, will die Landtagsfraktion nun Fakten schaffen. Denn dort finden sich viele Anhänger des bayerischen Finanzministers Markus Söder, der seit Jahren auf die Nachfolge Seehofers hinarbeitet. Genau deswegen lässt dieser aber nicht von seinen Ämtern, er will Söder unbedingt verhindern. Woher die persönlichen Animositäten rühren, konnte nie aufgeklärt werden. Fakt ist aber, dass Seehofer jeder andere Kandidat recht wäre. Alles deutet derzeit auf Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hin. Herrmann, ein Seehofer-Vertraute habe dem Parteichef laut "Süddeutscher Zeitung" zugesagt, sich um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2018 zu bewerben. Damit zeichne sich eine Kampfabstimmung zwischen Herrmann und Söder ab.

Der gern forsch auftretende Söder gab sich am Mittwoch zurückhaltend: "Zunächst einmal gebietet es der Respekt, dass Horst Seehofer selber sagt, was er für richtig hält", sagte der 50-Jährige, der seit zehn Jahren Minister im Freistaat ist. Er strebe eine einvernehmliche Lösung an.