Hannover. (klh/reu/apa) Der Parteitag der "Alternative für Deutschland" (AfD) hat deutlich gemacht, wie weit rechts diese Partei steht und wie stark der Einfluss der radikalen Kräfte ist. Diese haben nämlich in Hannover bei der Wahl zum Parteivorsitzenden ihre Macht demonstriert, indem sie dafür sorgten, dass der als gemäßigt geltende Berliner Landeschef Georg Pazderski nicht zweiter Vorsitzender neben Amtsinhaber Jörg Meuthen wurde.

Die Wahl eines neuen Parteivorstandes war nach dem Rücktritt von Frauke Petry notwendig geworden.

Pazderski sieht das Wählerpotenzial der AfD nicht rechts, sondern in der bürgerlichen Mitte. Er warb am Parteitag erneut dafür, der AfD ein konservatives Profil zu geben und sie regierungsfähig zu machen.

Seine Wahl galt zunächst als Formalakt, doch plötzlich tauchte eine überraschende Gegenkandidatin auf: Doris von Sayn-Wittgenstein, die in Schleswig-Holstein Landesvorsitzende der AfD ist. Ihre Rede war deutlich schärfer als die von Pazderski. Die anderen Parteien sollten bei der AfD "um Koalitionsgespräche betteln", die Rechtsanwältin fordert Fundamentalopposition. Sayn-Wittgenstein ist laut deutschen Medien Vertreterin des rechtsradikalen Flügels in der Partei. Dessen Anführer ist der Thüringer Björn Hocke, der schon einmal mit dem Parteiausschluss bedroht war, doch das Verfahren verläuft offenbar im Sand.

Doris von Sayn-Wittgenstein lag dann bei der Abstimmung knapp vor Pazderski - ein Triumph für den Rechtsausleger Hocke und seine Gefolgsleute. "Die AfD ist eine viel radikalere Partei, als es selbst den Radikalen bewusst ist", kommentiert die konservative "Frankfurter Allgemeine Zeitung" das Ergebnis.

Gauland erfüllt Pflicht

Nachdem aber keiner der beiden Kandidaten die notwendige Mehrheit hatte, einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss: dass Fraktionschef Alexander Gauland auch den Parteivorsitz übernimmt. Dieser erhielt dann, ohne dass es noch einen Gegenkandidaten gab, 68 Prozent der Stimmen. "Ich habe mich in die Pflicht nehmen lassen", sagte der 76-Jährige später. Er habe diese Kandidatur nicht angestrebt. Die Partei sei aber wegen des Patts bei den vorangegangenen Abstimmungen in einer gefährlichen Situation gewesen.

Zwar grenzte sich Gauland von der NPD ab. Er sprach sich klar gegen die Wahl eines ehemaligen NPD-Mitglieds zum Beisitzer aus - Björn Neumann erhielt schließlich auch nur fünf Stimmen. Doch das ändert nichts daran, dass die gemäßigten Kräfte in der AfD bei diesem Parteitag ins Hintertreffen geraten sind.

Pazderski schaffte es schließlich aber zumindest, zum Vizevorstand gewählt zu werden. Zudem wurden als Stellvertreter der Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk aus Nordrhein-Westfalen gewählt und Albrecht Glaser im Amt bestätigt. Die einzigen Frauen im Vorstand sind Beatrix von Storch und Alice Weidel, Co-Fraktionschefin im Bundestag.

Das Kongresszentrum, in dem die AfD tagte, war weiträumig abgeriegelt. Etwa 6500 Menschen protestierten gegen die Partei. Die Polizei setzte einen Wasserwerfer ein, um eine Straßenblockade zu räumen. Zum Teil kam es zu Gerangel mit der Polizei. Schwere Auseinandersetzungen blieben aber aus.