Prag. Vor vier Jahren überraschte er, als er seine damals bedeutungslose Protestbewegung ANO innerhalb weniger Monate mithilfe von Aktionen wie dem Verteilen von Gratis-Krapfen in der Prager U-Bahn zur zweitstärksten Partei in Tschechien machte. Seitdem gewann der Milliardär und Unternehmer Andrej Babis jede Wahl in Tschechien. Nun übernimmt er das Amt des Ministerpräsidenten.

"Warum ich in die Politik will? Aus Zwang. Ich kann nicht mehr mitansehen, von wem und wie dieses Land gesteuert wird", begründete der ursprünglich aus der Slowakei stammende Wirtschaftsingenieur, dem der Agrar- und Nahrungsmittelkonzern Agrofert gehört, seinen Einstieg in die Politik. Er spielte damit auf verschiedene Korruptions- und Politskandale an. Kritiker werfen ihm Populismus vor.

Verdacht "politisch motivierter Unsinn"

Der 63-Jährige steht mittlerweile selbst im Verdacht dessen, was er immer angeprangert hatte: Gegen ihn wird wegen EU-Subventionsbetruges ermittelt. Dabei geht es um sein Wellness-Ressort "Storchennest" ("Capi hnizdo") bei Prag. Es besteht der Verdacht, dass das Projekt zu Unrecht mit Mitteln für klein- und mittelständische Unternehmen mit 1,92 Millionen Euro aus der EU-Kasse gefördert wurde. "Politisch motivierter Unsinn", nennt Babis die Vorwürfe.

Im Frühjahr musste Babis wegen der Affäre daher die Regierung als Finanzminister verlassen. Trotzdem schadete ihm der Skandal bei den Wahlen kaum. Seine wirtschaftsliberale Partei ANO wurde mit knapp 30 Prozent die mit Abstand stärkste Partei. Die Ermittlungen gegen ihn laufen aber weiter. Die Polizei hat die Aufhebung seiner Immunität beantragt.

Auch Vorwürfe, er habe einst mit der kommunistischen Geheimpolizei zusammengearbeitet, konnten seinem strahlenden Image bisher kaum etwas anhaben. Konkret geht es um die Zeit, als Babis als Delegierter eines tschechoslowakischen Außenhandelsunternehmens in Marokko tätig war. Auch diese Kritik weist Babis, der vor 1989 KP-Mitglied war, als "erfunden" zurück.

Imperium mit 250 Unternehmen, auch Medien

Mit Stolz brüstet sich Babis damit, sein Unternehmen Agrofert aus dem Nichts, ohne Betrug und ohne die sogenannte Kupon-Privatisierung, also die umstrittene Privatisierungsmethode Anfang der 1990er Jahre, aufgebaut zu haben. Zu Babis' Imperium gehören rund 250 Unternehmen, darunter auch wichtige Medien wie die Tageszeitungen "Mlada fronta Dnes" und "Lidove noviny" sowie der Rundfunksender "Impuls", der die höchste Hörerquote hat, sowie mehrere auflagenstarke Regionalblätter. Als seinen Verdienst führt er außerdem immer wieder an, dass er über 34.000 Arbeitnehmer beschäftigt und zu den größten Steuerzahlern im Lande zählt. Nun will er auch den "Staat wie eine Firma" führen, wie er sagt.