Myrsini/Peloponnes. "Hey George, George! Hello George! Hello George!" Fröhlich ruft das kleine Mädchen mit dem pechschwarzen Haar seinen Vornamen, als sie auf ihrem Fahrrad an ihm vorbeifährt.

Das kleine Mädchen lächelt ihn an. Georgios Angelopoulos (45), schlank, sportlich, braungebrannt, kurzes Haar, frisch rasiert, lächelt zurück. Ohne stehen zu bleiben.

Sein Vorname wird auch an diesem Tag unzählige Male zu hören sein. Meist als "George", wenn er im Camp unterwegs ist. Und das ist er oft. Meist im Original auf Griechisch, wenn er in seinem winzigen, spartanisch eingerichteten Büro sitzt. Und da ist er schon sehr, sehr früh. Täglich.

Ruhig-beschaulicher Alltag im Camp. Die Kinder sind dem Krieg entkommen, im Camp "LM-Village" in der Nähe von Myrsini am Peloponnes fließen die Tage ruhig dahin. - © Andreas Fraunberger/Jungeroemer.net
Ruhig-beschaulicher Alltag im Camp. Die Kinder sind dem Krieg entkommen, im Camp "LM-Village" in der Nähe von Myrsini am Peloponnes fließen die Tage ruhig dahin. - © Andreas Fraunberger/Jungeroemer.net

Heute sass er schon um halb fünf im Büro, als alle Camp-Bewohner noch friedlich schliefen. "Um E-Mails zu schreiben, um allerlei Dinge vorzubereiten. Hier im Camp komme ich nie zur Ruhe."

Ob an Werktagen oder an Sonn- und Feiertagen: Der unermüdliche Hellene hat sich schon sehr lange, genau: seit dem 30. März 2016, als just dieses Camp eröffnet wurde, nicht einen freien Tag genommen. Ununterbrochen ist er seither im Einsatz. Ehrenamtlich. Für Georgios Angelopoulos kein Grund zum Granteln. Im Gegenteil.

Was Georgios Angelopoulos, der Camp-Leiter, hingegen immer wieder, und dies mit sichtlichem Stolz sagt: "Ich bin vom ersten Tag an hier. Das ist mein Baby."

Sein Blick schweift über das Flüchtlingscamp unweit von Myrsini, einem 1-000-Seelen-Dorf ganz im Westen des Peloponnes, knapp 300 Kilometer von der griechischen Hauptstadt Athen entfernt.

Früher urlaubten auf dem weitläufigen, mit Palmen übersäten Areal "LM Village" Familien aus einem Athener Arbeitervorort. 19 schmucke Häuschen links, 19 Häuschen rechts, alle mit Erdgeschoß und erstem Stockwerk, dazu gepflegte Grünflächen, Sportplätze, ein Schwimmbecken. Und neuerdings ein Gewächshaus.

Das Gelände ist direkt an einem langen, feinen Sandstrand gelegen, mit Blick gen Westen. Am Horizont ragen die Inseln Zakynthos, Kefalonia und Ithaka, die mythische Heimat des Odysseus, aus dem Ionischen Meer.

Eine griechische Idylle

Heute tummeln sich in der Anlage, die zwischenzeitlich leer stand, nicht mehr griechische Stadtkinder mit ihren Eltern, um sich im Sommer vom Stress der immerzu pulsierenden Vier-Millionen-Metropole Athen zu erholen.

Heute sind hier Kriegsflüchtlinge untergebracht.

Anfangs waren es mehr als 300 Schutzsuchende, zwischenzeitlich weniger als 100, mittlerweile wieder knapp 200. Tendenz erneut steigend. Überwiegend Syrer leben hier, wenige Iraker, darunter auch Kurden, alles Familien. Mehr als die Hälfte sind Kinder.