Rom/Wien. (red) Am 4. März wird in Italien ein neues Parlament gewählt und die populistische Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) ist drauf und dran, die meisten Stimmen zu bekommen. Laut Meinungsforschern liegt die vom Komiker Beppe Grillo gegründete Partei bei 28 Prozent, das wäre klar Platz eins. Dahinter folgen die Sozialdemokraten mit rund 23 Prozent und Silvio Berlusconis konservative Forza Italia, die in einem Bündnis mit zwei Rechtsparteien ins Rennen geht.

Der Spitzenkandidat der M5S, Luigi Di Maio, ist somit rein theoretisch möglicher künftiger Premier Italiens. Er ist mit 31 Jahren genauso jung wie Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, er wendet sich gegen das politische Establishment, ist eurokritisch, schlägt aber moderatere Töne an als Parteigründer Beppe Grillo.

"Wir werden Italien nicht dem Chaos überlassen und noch am Wahlabend einen Appell an alle politischen Kräfte richten und Konsultationen einleiten", gibt sich Di Maio siegessicher.

Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren. Ein Bündnis mit den Rechtsparteien unter Silvio Berlusconi kann sich Di Maio nicht vorstellen, wie er zuletzt in einem Interview betont hat. Die ehemalige Berlusconi-Partei Forza Italia, die rassistische Lega Nord und die rechtsextreme Fratelli d’Italia (FDI) treten gemeinsam an. Berlusconi zieht die Fäden, wegen einer Verurteilung wegen Steuerbetrugs darf er nicht selbst als Spitzenkandidat antreten. Das Linksbündnis wird von Ex-Premier Matteo Renzi angeführt.

Das Hauptproblem der Fünf-Sterne-Bewegung ist, dass sie Koalitionen ausschließt. Also könnte sie sich nach dem 4. März einmal mehr in der Opposition wiederfinden: "Dass die Fünf Sterne an die Regierung kommen, ist meiner Meinung nach sehr schwierig", meint der renommierte Politologe Giovanni Orsina von der Universität Rom. Eine Haltungsänderung der politischen Spitzen der M5S ist allerdings immer drin.

Was die Flüchtlingspolitik betrifft, so fordert Di Maio jedenfalls mehr Solidarität von anderen Ländern der Europäischen Union. "Die osteuropäischen Länder können sich nicht einfach drücken. Von 100 Flüchtlingen, die in Italien ankommen, müssten 80 in andere EU-Länder reisen." Andernfalls werde Italien mit seiner Außengrenze im Mittelmeer nie mit dem Problem fertig werden.

"Haben schon gewonnen"

Di Maio übt sich unterdessen nicht in Bescheidenheit: "Sowohl Renzi als auch Berlusconi sagen, dass sie gegen uns kämpfen. Jedes Mal, wenn sie das sagen, begreife ich, dass wir längst gewonnen haben", so der junge Parteichef zuletzt bei einem Wahlkampfauftritt nahe Turin.

In der Tat schießen sich Renzi und Berlusconi mit Näherrücken es Wahltermins verstärkt auf die Grillo-Bewegung ein. Diese habe laut Renzi ihre Unfähigkeit gezeigt, Städte wie Rom und Turin zu regieren, in denen seit Juni 2016 zwei Fünf Sterne-Bürgermeisterinnen im Amt sind. "Wenn sie auf die Probe gestellt wird, zeigt die Fünf-Sterne-Bewegung, dass sie unfähig ist, Probleme zu lösen", kommentierte Renzi.

Berlusconi sieht in M5S eine "Sekte, die Befehle von einem alten Komiker nimmt". Die Gruppierung sei "populistisch und rebellisch" und gefährlicher als die "Kommunisten", so der mehrfache Ex-Premier. Die meisten Beobachter gehen jedenfalls davon aus, dass es nach dem 4. März keine klaren politischen Mehrheiten in Italien gibt.