Nikosia. (czar) Der neue Präsident könnte so heißen wie der bisherige. Vor dem Votum über den künftigen Staatschef der Republik Zypern am Sonntag sehen Umfrageinstitute den Amtsinhaber, den Christdemokraten Nikos Anastasiadis, unter den neun Kandidaten als Favoriten an. Dennoch zeichnet sich ab, dass eine Stichwahl am 4. Februar notwendig sein wird. Am wahrscheinlichsten gilt, dass dabei gegen Anastasiadis entweder Stavros Malas antreten wird, der von der kommunistischen Partei Akel unterstützt wird, oder der Mitte-rechts-Bewerber Nicolas Papadopoulos. Sollte dieser gewinnen, wäre eine Wiedervereinigung der beiden Inselteile und damit der griechischen sowie türkischen Zyprioten schwieriger.

Anastasiadis hingegen hat bereits gezeigt, dass er um eine Lösung im Zypern-Konflikt bemüht ist. Gemeinsam mit Mustafa Akinci, seinem Gegenpart aus dem Norden, wo die Türkei noch immer Soldaten stationiert, hat er Verhandlungen in Gang gebracht. Diese waren freilich bisher nicht von Erfolg gekrönt. Im Vorjahr wurden sie abgebrochen - unter anderem deswegen, weil die Türkei darauf bestanden hatte, Garantiemacht für Nordzypern zu bleiben und ein gewisses Truppenkontingent dort zu behalten.

Isoliert im Norden


Ob die Gespräche bald wieder aufgenommen werden, hängt nicht zuletzt von den politischen Entwicklungen im Norden ab. Dort fanden Anfang des Monats Parlamentswahlen statt, aus denen zwar eine rechtskonservative Partei als Siegerin hervorgegangen ist, die für eine engere Anbindung an die Türkei plädiert. Doch kann sie nicht allein regieren, und potenzielle Bündnispartner treten für eine Wiedervereinigung der Insel ein. Das wiederum kann Präsident Akinci Rückendeckung geben - ganz Zypern hat ein Präsidialsystem.

Dennoch standen im Wahlkampf auf beiden Seiten eher Wirtschaftsthemen im Vordergrund. Es ist nämlich erst ein paar Jahre her, dass der griechische Inselteil in eine schwere Bankenkrise gerutscht ist. Aus der hat er sich zwar wieder gehievt, die Wirtschaft wächst und der Tourismus wurde wieder angekurbelt. Doch noch immer ist mehr als jeder zehnte Zypriote ohne Job.

Der türkische Teil wiederum leidet seit Jahren an der internationalen Isolation. Auf direktem Weg können weder Waren in die EU exportiert noch Häfen oder Flughäfen von Schiffen oder Flugzeugen aus den meisten Ländern angesteuert werden. Denn auch wenn die gesamte Insel der Europäischen Union angehört, kommt das Regelwerk der Gemeinschaft im Norden nicht zur Anwendung. Finanziell ist die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern von der Regierung in Ankara abhängig.