Moskau. Bei der Präsidentschaftswahl in Russland hat Staatschef Wladimir Putin am Sonntag seine Macht ausgebaut. Er gewinnt die Wahl mit etwas mehr als drei Viertel der Stimmen. 76,6 Prozent schenkten Putin ihr Vertrauen. Damit bleibt er bis mindestens 2024 russischer Staatschef. Noch am Abend trat Putin vor die Öffentlichkeit und bedankte sich in einer dreiminütigen Rede für "Vertrauen und Hoffnung". Auch den Fall des vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal kommentierte Putin erstmals persönlich.

Den zweiten Platz erreichte der Kommunist Pawel Grudinin mit 11,8 Prozent, dahinter der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski mit 5,6 Prozent. Für die liberale TV-Journalistin Xenia Sobtschak stimmten 1,6 Prozent, vier weitere Kandidaten erhielten noch weniger. Die Wahlbeteiligung bei der Abstimmung am Sonntag lag demnach bei rund 67 Prozent.

Wahlbeteiligung klettert über Nacht auf 67 Prozent

Sonntagabend meldete der Staatssender "Rossija" allerdings noch eine Wahlbeteiligung von 60 Prozent. Damit wäre sie geringer als bei der letzten Präsidentschaftswahl 2012, als sie bei 65.3 Prozent lag. In der Nacht kletterte die Wahlbeteiligung dann aber auf erstaunliche 67 Prozent, wie die Nachrichtenagentur Interfax mit Bezug auf die Wahlkommission meldete.

Oppositionsnahe russische Wahlbeobachter registrierten rund 3000 Manipulationsversuche wie Mehrfachabstimmung. Auch die OSZE hatte rund 600 Wahlbeobachter der Parlamentarischen Versammlung der OSZE und der für Demokratiefragen zuständigen OSZE-Teilorganisation OHDIR haben deutliche Kritik an den russischen Präsidentschaftswahlen vom Sonntag geäußert. "Ein Wahl, der - wie wir hier gesehen haben – ein wirklicher Wettbewerb fehlt, ist keine echte Wahl", resümierte OSZE-Sonderkoordinator Michael Georg Link am Montag vor Journalisten.

Einschränkung bei Grundrechten, keine kritischen Medienberichte

"Die Präsidentschaftswahlen in Russland haben in einer mehrheitlich kontrollierten Umfeld stattgefunden, das sich durch einen fortgesetzten Druck auf kritische Stimmen ausgezeichnet hat. Die Zentrale Wahlkommission hat den Vorgang dabei in einer effizienten und transparenten Weise verwaltet", erklärte der deutsche Bundestagsabgeordnete Link. Nach intensiven Bemühungen zur Erhöhung der Wahlbeteiligung hätten Bürger in großer Zahl ihre Stimme abgegeben, Einschränkungen bei Grundrechten und bei der Zulassung von Kandidaten hätten jedoch den Raum für politisches Engagement eingeschränkt und zum Fehlen eines echten Wettbewerbs geführt, sagte Link.