Einen Wechsel gibt es auch an der Spitze der Polizei. Präsident Tibor Gaspar, dem im Mordfall Kuciak eine Verschleppung der Ermittlungen vorgeworfen wird, räumt seinen Posten. Das habe nichts mit den anhaltenden Protesten zu tun, vielmehr gehe er aus persönlichen Gründen, so Gaspar. Allerdings ist dies wenig glaubwürdig. Zwar halten die Behörden nach wie vor an der Version fest, Kuciak und seine Verlobte seien zwei Tage vor dem Auffinden ihrer Leichen durch jeweils einen Schuss getötet worden. Doch werden immer mehr Zweifel an dieser Darstellung laut.

Zweifel an Tathergang

Die Familien der Ermordeten hatten stets darauf gepocht, dass die Toten erst nach vier Tagen entdeckt wurden. Zlatica Kusnirova, die Mutter der ermordeten Martina Kusnirova, machte vor kurzem öffentlich, auf Kuciak seien mehrere Schüsse abgegeben worden. Auch habe ihre Tochter mit ansehen müssen, wie ihr Verlobter ermordet wurde, bevor sie selbst einen Schuss in den Hals und nicht wie bisher behauptet in den Kopf erhalten habe.

Bisher hatte es geheißen, die Opfer hätten den Täter hineingelassen und mit ihm Kaffee getrunken. Kusnirova sei als Erste getötet worden, während Kuciak etwas geholt habe. Der Journalist sei dann bei der Rückkehr ins Wohnzimmer exekutiert worden.

Protestbewegung ist uneins

Damit sehen sich viele bestätigt, die am Freitag zum vierten Mal gegen die Regierung protestieren wollen. Diese setzt jedoch darauf, dass sich deutlich weniger Demonstranten als bisher versammeln. Denn in der Protestbewegung zeichnen sich Risse ab. Vielen, die zunächst der Ermordeten gedenken und Anstand in der Politik anmahnen wollten, ist es zu radikal, wenn die Organisatoren nach Neuwahlen rufen. Viele schreckt darüber hinaus ab, dass sich zunehmend andere Gruppierungen die Proteste zunutze machen wollen, welche die Ermordung Kuciaks und Kusnirovas nur zum Vorwand nehmen, um ihre Sache voranzutreiben - darunter etwa auch Abtreibungsgegner.