Barcelona/Madrid. Das katalanische Parlament hat am Samstag die Wahl von Jordi Turull zum Regionalpräsidenten unterbrochen, nachdem der 51-Jährige tags zuvor in Untersuchungshaft genommen worden war. Entgegen der Forderung der spanischen Zentralregierung nach einer Aussetzung der Abstimmung hielt der katalonische Parlamentspräsident Roger Torrent daran fest.

"Ich werde nicht ruhen, bis ich euch in Freiheit sehe", sagte Torrent während der Sitzung an seine festgenommenen Kollegen gerichtet. Im ersten Wahlgang hatte Turull aufgrund der inneren Spaltung der Unabhängigkeitsbefürworter die erforderliche absolute Mehrheit verfehlt. Noch vor dem zweiten Wahlgang verhängte der Oberste Gerichtshof Spaniens am Freitag Untersuchungshaft für Turull wegen des Vorwurfs der Rebellion. Somit fehlte der Politiker am Samstag im Parlament in Barcelona. Das Verfassungsgericht hatte zuvor entschieden, dass ein Kandidat persönlich im Parlament anwesend sein muss, um sich ins Amt wählen zu lassen.

Der Oberste Gerichtshof in Madrid hatte am Freitag entschieden, ein Strafverfahren gegen den abgesetzten katalanischen Präsidenten Carles Puigdemont und weitere zwölf Regionalpolitiker zu eröffnen. Gegen sieben Separatisten im Ausland, darunter Puigdemont, wurden neue Haftbefehle erlassen. Die Gerichtsentscheidungen brachten Separatisten auf die Barrikaden, die den "Autoritarismus" Spaniens und die Politisierung seines Justizsystems anprangerten. Bei Protesten am Freitagabend in Barcelona und anderen Städten kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.