Grosny/Wien. Tschetscheniens Republikschef Ramsan Kadyrow hat sich gemeinsam mit seinem berüchtigten Mitstreiter Schaa Turlajew gezeigt, den Ermittler in Österreich als zentrale Figur bei der Ermordung an Umar Israilow im Jänner 2009 in Wien erachten. Das berichtete am Samstag die Moskauer "Nowaja Gaseta" mit Verweis auf Videos, die Kadyrow kurz zuvor in sozialen Netzwerken veröffentlicht hatte.

"Es ist sehr interessant, dass Turlajew hier neben mir steht. Denn alles, was die Feinde des Volkes über ihn erfunden haben, ist Lüge und Schwachsinn", erklärte Kadyrow in einem am Samstag veröffentlichten Video. Er sprach Russisch und wandte sich damit sichtlich an föderale Behörden in Moskau, die seit 2010 in der Russischen Föderation, auch in der Teilrepublik Tschetschenien, im Zusammenhang mit der versuchten Ermordung eines Kadyrow-Gegners offiziell nach Turlajew fahnden.

Kadyrows nunmehriger Mitstreiter hatte nach einer schweren Kriegsverletzung, bei der ein Bein verlor, 2004 die Seiten gewechselt. Zuvor hatte er als persönlicher Leibwächter des gegen Russland kämpfenden Aslan Maschadow fungiert, der im von der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannten Tschetschenien 1997 zum Präsidenten gewählt worden war und 2005 vom russischen Geheimdienst FSB getötet wurde.

Turlajew gilt als Schlüsselfigur

In Österreich gilt Turlajew als Schlüsselfigur im Mordfall Israilow. Drei Monate vor der Ermordung dieses tschetschenischen Flüchtlings, der unter persönlicher Beteiligung von Ramsan Kadyrow gefoltert worden sein soll, war Schaa Turlajew als Leiter einer tschetschenischen Delegation nach Österreich gereist und hatte damals nach Beobachtungen des BVT engen Kontakt zu späteren Mordverdächtigen.

"Ob die Initiative zur Tat von Turlajew selbst ausging oder aber ob er als Emissär Kadyrows dessen Befehle weiterleite, muss dahingestellt bleiben. Aufgrund seiner Stellung im engsten politischen Umfeld Kadyrows zählte er jedenfalls zur politischen Führung der russischen Teilrepublik Tschetschenien und es ist davon auszugehen, dass er den Auftrag in deren Namen erteilte", heißt es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Wien, auf deren Grundlage das Landesgericht Wien drei Beitragstäter im Fall Israilow 2011 zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilte. Weitere mutmaßliche Tatbeteiligte waren für die österreichische Justiz nicht greifbar.

Ramsan Kadyrows nunmehriger Versuch, Schaa Turlajew in Russland zu rehabilitieren, dürfte aber auch unter tschetschenischen Flüchtlingen in Österreich genau beobachtet werden. Denn in der Diaspora war zuletzt die Rede von "großen Ohren", die dieser Kadyrow-Mitstreiter auch hierzulande habe. Konkret soll Turlajew mit Hilfe von Verbindungsmännern Informationen über in Österreich ansässige Landsleute sammeln und in Telefonaten Kadyrow-Kritiker einschüchtern. "Ich bin überzeugt, dass der österreichische Verfassungsschutz über seine Anrufe Bescheid weiß", erklärte ein Vertreter der Diaspora, der namentlich nicht genannt werden wollte.