Italiens "Schiedsrichter" Sergio Mattarella. - © Jussi Nukari
Italiens "Schiedsrichter" Sergio Mattarella. - © Jussi Nukari

Rom/Wien. "Ein Schiedsrichter greift nur dann ins Fußballspiel ein, wenn ein Foul begangen wird." Ziemlich zurückhaltend beschrieb der italienische Staatspräsident seine Rolle in der Politik zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2015. Seither pfiff der Mann der eher leisen Töne - er wird auch "il muto", der Stumme, genannt - nur einmal laut auf: Nach dem verlorenen Verfassungsreferendum und Rücktritt des damaligen Regierungschefs Matteo Renzi unterbrach er das Spiel und vereidigte wenige Tage später Nachfolger Paolo Gentiloni.

Bei einem knappen Spielstand in einem wichtigen Match kommt dem Schiedsrichter jedoch eine wichtige Rolle zu - nur Sergio Mattarella kann nun gemäß der italienischen Verfassung den künftigen Regierungschef, den Präsidenten des Ministerrats, ernennen. Wen der 76-Jährige mit der Regierungsbildung beauftragt, soll sich dieser Tage bei Sondierungsgesprächen in Rom entscheiden.

Am Mittwoch traf das Staatsoberhaupt zunächst die Präsidenten der beiden Parlamentskammern und seinen Amtsvorgänger Giorgio Napolitano sowie Vertreter kleinerer Parteien. Am Donnerstag empfängt er dann die großen Parteien im Quirinalspalast.

Bei den Parlamentswahlen vor einem Monat ging jedoch keine Partei, noch ein Bündnis als klarer Sieger hervor. Das bedeutet, dass wer auch immer den Premier stellt, eine andere Partei brauchen wird, um eine regierungsfähige Mehrheit zusammenzubringen - und das Spiel ordnungsgemäß fortzuführen.

Wer wird
neuer Kapitän?


Und das bei drei politischen Blöcken, die so gar nicht zusammenpassen. Wer also soll Kapitän der neuen Regierungsmannschaft werden? Bisher haben nur die Spitzenkandidaten der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, sowie der Chef der fremdenfeindlichen Lega, Matteo Salvini, den Regierungsanspruch gestellt.

Die Lega hatte im Mitte-rechts-Verbund von Ex-Premier Silvio Berlusconi die meisten Stimmen geholt, als stärkste Einzelpartei wählten die meisten Italiener jedoch den neuen Polit-Stürmer Di Maio. Er hatte vor den Sondierungen seine Bedingungen für ein Regierungsbündnis mit der rechten Lega und der sozialdemokratischen Partei (PD) genannt und einen Koalitionsvertrag nach deutschem Vorbild angeregt.

Ein Regierungsbündnis aus Fünf Sterne und Lega wäre der Albtraum der Investoren sowie der Europäische Union - haben sich beide doch immer wieder sehr EU-kritisch geäußert und lehnen jeweils die EU-Haushaltsregeln ab. In dem krisengebeutelten Land, dass nach Griechenland die zweithöchste Staatsverschuldung in der Eurozone aufweist, stößt das bei vielen auf Sympathie - die EU-Befürworter in der Bevölkerung befinden sich aber nach wie vor in der Mehrheit.