Rom/Bozen. (APA/red) Fast sechs Wochen nach der Parlamentswahl vom 4. März ist in Italien weiter keine Regierungsbildung in Sicht. Die Dinge sind vertrackt: Die Lega will eine Allianz mit der Fünf-Sterne-Bewegung - muss aber erst ihren Verbündeten Forza Italia um Ex-Premier Silvio Berlusconi überzeugen. Luigi Di Maio, möglicher Premierministerkandidat der "5 Sterne" (M5S) -Protestbewegung um Beppe Grillo will aber auf keinen Fall, dass der 81jährige Silvio Berlusconi wieder Einfluss auf die Politik in Rom bekommt. Ohne Berlusconis Forza Italia wäre die Lega in einer Allianz mit der M5S allerdings nur Juniorpartner.

Die Sozialdemokraten sehen sich derzeit in der Opposition. Für sie ist das Wahlbündnis aus Lega und Forza Italia sowie die Fünf-Sterne-Bewegung am Zug.

Aber sowohl der Fünf Sterne-Spitzenkandidat Luigi Di Maio als auch der Lega-Chef, Matteo Salvini, beanspruchen das Amt des Ministerpräsidenten für sich. Angesichts der Patt-Situation könnten sie jedoch gezwungen sein, einen dritten Kandidaten zu akzeptieren, dem beide Lager zustimmen können.

Wem Präsident Sergio Mattarella den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen wird, ist zurzeit unklar. Mattarella führte am Donnerstag zuerst Gespräche mit den kleineren im Parlament vertretenen Parteien. Die Meraner Senatorin Julia Unterberger - sie gehhört der der Südtiroler Volkspartei (SVP) an - schloss jedoch bereits grundsätzlich aus, dass sie eine Regierung aus der ausländerfeindlichen Lega und der populistischen Fünf Sterne-Bewegung unterstützen würde. "Eine derartige Regierung würde jedenfalls nicht unsere Stimmen benötigen", sagte Unterberger in einer Pressemitteilung nach dem Treffen mit Mattarella.

Heute, Freitag wird Präsident Mattarella eine Bilanz seiner Sondierungen ziehen. Eine weitere Konsultationsrunde gilt in Rom als unwahrscheinlich.