Bei der Demonstration am Samstag werden auch Forderungen nach Neuauszählung der Stimmzettel erwartet, nachdem in Ungarn Streit über einen möglichen Wahlbetrug ausgebrochen ist. Den Verdacht haben die Oppositionsparteien MSZP (Sozialisten) und DK (Demokratische Koalition) geäußert, nachdem Wahlhelfer und Lokalpolitiker etliche Unstimmigkeiten bei der Auszählung gemeldet hatten.

Opposition unfähig, Wahlbeobachter zu stellen

Etliche Oppositionsmedien - darunter die Plattform "Átlátszó" - haben den Vorwurf aber in weiten Teilen widerlegt. Die Wahlhelferin und Aktivistin gegen Rechtsextreme, Eszter Edler-Garai, ist empört über die Wahlbetrugsdiskussion: "Das ist doch nur ein Thema zur Ablenkung", sagte sie der "Wiener Zeitung". "Die Opposition soll sich lieber Asche aufs Haupt schütten, weil sie nicht einmal fähig war, für alle Wahlbüros Delegierte zu entsenden. Und solche Leute wollen regieren?", ereiferte sich Garai-Edler, die in einem Budapester Bezirk am vergangenen Sonntag im Auftrag der Sozialisten die Stimmen mit ausgezählt hatte. In 1100 von insgesamt 11.000 Wahlbüros hatte die Opposition keine Vertreter.

"Aber das ist nicht neu, seit 1990 gibt es dieses Phänomen", sagt Zoltán Toth, der von 1995 bis 1997 Vorsitzender der Wahlkommission war. Für verdächtig hält er hingegen, dass das Online-Portal des zentralen Wahlbüros am Wahlabend mehrmals zusammenbrach. Toth, ein Sympathisant der oppositionellen DK, prüft jetzt zusammen mit 30 Freiwilligen 2200 Auszählprotokolle auf Ungereimtheiten - eine Stichprobe von zehn Prozent aller Protokolle.