In Dänemark können viele nicht verstehen, dass Grönland ausgerechnet die Chinesen so offen willkommen heißt. Hier macht man sich Sorgen, dass das Verhältnis zu den USA leiden könnte. Denn für die Amerikaner ist Grönland durch seine Nähe zu Russland strategisch wichtig. Früher hatten sie hier Atomwaffen stationiert, heute einen Teil des US-Raketenwarnsystems.

Umworbene Chinesen

Die Grönländer wollen darauf keine Rücksicht nehmen. "Ein chinesischer Kapitalist ist ein Kapitalist wie jeder andere", sagt Gad. "Die Dänen haben sich nicht um die Minen geschert." Grönlands Regierungschef Kim Kielsen war im vergangenen Jahr sogar selbst in China, um Investoren zu umwerben - obwohl er nicht einmal Englisch spricht. Nun ist ein chinesisches Konsortium unter den letzten Kandidaten für ein großes Flughafen-Erweiterungsprojekt.

Die Absicht der grönländischen Regierung sei nicht, sich statt von Dänemark nun von einem anderen Land abhängig zu machen, betont Gad. Idealerweise verteile man die Abhängigkeiten: "Sodass wir Sicherheitsbeziehungen mit den USA haben, einige Beziehungen zu Dänemark und zu Island. Dass wir von den Norwegern lernen, den Bergbau-Sektor zu regulieren, mehr mit unseren Inuit-Freunden in Kanada zu tun haben. Und ja, Investitionen aus China wären auch schön."

Bisher haben sich die großen Hoffnungen in die Bergbauprojekte mit chinesischem Geld allerdings nicht erfüllt. Nur eins ist aus den Startlöchern gekommen, viele liegen auf Eis. Der Sektor entwickle sich nicht so stark wie vorhergesagt, gibt Maria Ackren von der Ilisimatusarfik, der Universität Grönlands zu. "Die Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt sind derzeit nicht vorteilhaft."

"Raus aus der Opferrolle"

Eine grönländische Partei, die Partii Naleraq, setzt trotzdem schon ein Datum für die Unabhängigkeit: "Wir wollen raus aus der Opferrolle", sagte ein Kandidat einer dänischen Zeitung. "Deshalb wollen wir 2019 eine Abstimmung, um herauszufinden, ob es eine Mehrheit für die Unabhängigkeit gibt - und eine endgültige Entscheidung 2021."

Die meisten anderen Parteien rechnen eher in Jahrzehnten. Auch weil es so lange wohl dauern wird, bis die Rohstoffvorkommen im schmelzenden Eis leichter zu erreichen sind. Vor allem die Seltenen Erden, für die China nahezu ein Monopol hat und die für Smartphones und andere technische Geräte unverzichtbar sind, dürften dann noch gefragter sein als jetzt schon.

Akuter und deshalb entscheidender für die anstehenden Wahlen seien Themen wie Bildung, Wohnungsbau und Fischfangquoten, sagt Martine Lind Krebs von der grönländischen Vertretung in Dänemark. Und die Sprache natürlich: Etwa jeder zweite Grönländer versteht Studien zufolge nur sehr wenig oder gar kein Dänisch. Künstlerin Julie Hardenberg hat gerade einen Versuch beendet: Ein halbes Jahr lang sprach sie in Grönland ausschließlich Grönländisch. Es war schwer, sagt sie.