Torshavn/Nuuk. Ein ursprünglich für morgen, Mittwoch, angekündigtes Referendum über einen Verfassungsentwurf auf den Färöer-Inseln ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Im Vorjahr hatte die Regierung der Inselnation das Referendum an sich für 25. April 2018 angesetzt. Das Referendum gilt als Voraussetzung für eine potenzielle, zukünftige Abstimmung über die Unabhängigkeit der Färöer-Inseln von Dänemark.

Die Färöer-Inseln sind, wie auch Grönland, Teil des dänischen Königreichs und somit formal nicht unabhängig. Staatsoberhaupt des 50.000-Einwohner-Landes ist Königin Margarethe II von Dänemark. Die Inselgruppe im Nordatlantik ist dennoch weitgehend autonom, mit eigenem Parlament und Premierminister. Nur in den Bereichen Außen-und Verteidigungspolitik hat Dänemark nach wie vor das sagen. 2005 wurde das Mitspracherecht der Färöer aber auch in diesen Bereichen durch einen bilateralen Vertrag mit Dänemark ausgeweitet.

Arbeit an eigener Verfassung seit 1999

Derzeit ist der völkerrechtliche Status der Färöer-Inseln durch die dänische Verfassung, sowie eine Reihe bilateraler Abkommen mit Dänemark definiert. Die Arbeit an einer eigenen Verfassung auf den Färöer-Inseln, die in Österreich vor allem wegen der Fußball-EM-Qualifikations-Blamage von 1990 (0:1-Niederlage im schwedischen Landskrona) bekannt sind, läuft bereits seit 1999. Bisher stets ohne Erfolg.

Und auch jetzt scheint sich die Verfassungsgebung schwieriger zu gestalten, als erwartet: Vergangenes Jahr hatte man vollmundig das Referendum für April 2018 angekündigt. Formal müssen sechs Monate zwischen der Fertigstellung des Verfassungsentwurfs im Parlament und der Abstimmung liegen. Am Montag, zwei Tage vor der ursprünglich geplanten Abstimmung, hat das Parlament noch keinen Entwurf vorgelegt.

Das Parlament sei mit einer Reihe anderer, zentraler Aufgaben beschäftigt gewesen, erklärt Kate Sanderson, Ständige Vertreterin der Färöer-Inseln in Brüssel, die Verzögerung gegenüber der APA. Darunter etwa eine große Fischerei-Reform, die mit 1. Jänner 2018 in Kraft getreten ist.

"Verfassung würde Recht auf Selbstbestimmung definieren"

Ein färöisches Verfassungsreferendum wäre vor allem deshalb von politischer Brisanz, weil es im Zusammenhang mit einer potenziellen Unabhängigkeit des Insel-Staates stünde. "Die Verfassung würde Identität, Staatlichkeit und das Recht auf Selbstbestimmung der Färöer definieren. Und sie würde - auf sehr allgemeine Art - auch die Rahmenbedingungen für Themen wie einen EU-Beitritt oder die Unabhängigkeit der Färöer skizzieren", bestätigt Sanderson diesen Zusammenhang im Gespräch mit der APA.