Die amtierende Dreierkoalition aus Sozialdemokraten, Sozialisten und Liberalen weist durchaus sezessionistische Tendenzen auf. Sie strebt unter anderem die sukzessive Abschaffung der dänischen Subventionen an. Diese machen derzeit etwa drei Prozent des färöischen Bruttoinlandprodukts (86 Millionen Euro) aus. Dennoch sei die politische Unabhängigkeit derzeit kein Thema, betont die Vertreterin.

Beziehungen zur EU sollen modernisiert werden

Auch ein EU-Beitritt stehe laut Kate Sanderson derzeit nicht auf der Agenda der Färöer-Inseln. 1973 hatte man sich gegen einen gemeinsamen EU-Beitritt mit Dänemark entschieden. Der derzeitige Status ist jener eines Drittstaates, ergänzt durch ein bilaterales Fischereiabkommen, ein bilaterales Handelsabkommen sowie eine Partnerschaft im EU-Programm für Forschung und Innovation.

Sehr wohl plane man aber eine "Modernisierung der Beziehungen" mit der EU, eine Art institutioneller Rahmen, innerhalb dessen sich politische Verhandlungen abseits von konkreten Abkommen abspielen könnten, so die Vertreterin gegenüber der APA. Man suche mehr Dialog auf Augenhöhe, etwa beim Thema Marktzugang: "Die Färöer haben mehr zu bieten als Fisch."

Auf "Grauer Liste" der EU-Finanzminister

2017 waren die Färöer auf einer "Grauen Liste" der EU-Finanzminister erschienen, die weltweit Steueroasen anprangerte. Den gelisteten Staaten wurde bis Ende 2018 Zeit gegeben, um Verbesserungen im steuerlichen Bereich vorzunehmen, um nicht auf der "Schwarzen Liste" zu landen.

Das Finanzministerium habe bereits viele zusätzliche Informationen zur Verfügung gestellt, so Sanderson über Fortschritte in diesem Bereich. Man sei aber nicht glücklich, überhaupt auf dieser Liste gelandet zu sein. Es habe nur geringfügiger, ja nichtiger Nachbesserungen bedurft, so die Ständige Vertreterin in Brüssel.

Parlamentswahlen in Grönland richtungsweisend

Ebenso wie auf den Färöer-Inseln gab es auch im zweiten dänischen Außengebiet Grönland immer wieder Unabhängigkeitsbestrebungen. Für beide ist die Fischerei der zentrale Wirtschaftssektor, beide hoffen auf Rohstofffunde in ihren Territorien, beide besitzen keine EU-Mitgliedschaft. Am Dienstag wird in Grönland ein neues Parlament gewählt. Die Bewohner der größten Insel der Welt stimmen dabei indirekt auch über die Unabhängigkeit ab. Denn alle ernst zu nehmenden Parteien wollen sie. Ob und wann auch die Regierung der Färöer-Inseln ihre Bevölkerung über diese Frage abstimmen lässt, steht vorerst noch in den Sternen.