Viele politische Beobachter des Landes glauben, dass Abdullah Gül der Mann ist, der das schaffen könnte. Er war von 2007 bis 2014 bereits Präsident der Türkei und Mitbegründer der AKP. Der 67-Jährige zog sich nach der Direktwahl Erdogans zum Präsidenten im August 2014 aber aus der Politik zurück - er gilt als Kritiker der immer autoritärer werdenden Herrschaft seines ehemaligen Mitstreiters. Seit Monaten wird in Ankara gemunkelt, Gül könne sich für die ultrareligiöse und kleine Saadet-Partei (SP) als Gegenkandidat aufstellen lassen.

Er ist nach wie vor populär im Land, auf Ausgleich bedacht und könnte so Stimmen aus allen Wählerlagern bekommen. Selbst der Sprecher der prokurdischen Minderheitenpartei HDP, Ziya Pir, kündigte die Unterstützung für Gül in einer zweiten Runde der Präsidentenwahlen an.

Gül selbst hat sich hierzu noch nicht öffentlich geäußert - am Mittwoch traf der Hoffnungsträger jedoch mit dem Saadet-Vorsitzenden Temel Karamollaoglu zusammen. Zuvor hatte Karamollaoglu bereits Kilicdaroglu und Meral Aksener von der IYI-Partei getroffen.

Meral Aksener ist
ebenfalls populär

Auch Kilicdaroglu und Aksener fanden sich noch am selben Tag zusammen, um über das Vorgehen bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen zu beraten. Nach der gemeinsamen Pressekonferenz blieb es aber noch unklar, ob sie einen gemeinsamen Kandidaten ins Rennen schicken wollen. Dass die beiden Parteien eine mögliche Kandidatur Güls unterstützen würden, scheint unwahrscheinlich.

Aksener betonte nach dem Treffen mit Kilicdaroglu, dass sie an ihrer eigenen Kandidatur festhalte. Die 61-Jährige könnte Erdogan ebenfalls gefährlich werden. Die frühere kurzzeitige Innenministerin würde laut Umfragen in den vergangenen Wochen 40 bis 48 Prozent im Falle einer Stichwahl vereinen können. Aksener gilt als strenggläubig, steht aber für die Trennung von Religion und Staat, sie ist nationalistisch, setzt sich aber für eine pro-westliche Türkei ein - und spricht demnach viele unterschiedliche Wähler an. Der CHP-Fraktionsvize Özgür Özel schrieb auf Twitter, die CHP habe eine Kandidatur Güls niemals erwogen. "Genug. Wir haben die Nase voll von all diesen Spekulationen", schrieb er.

Die islamisch-konservative AKP Erdogans setzt jedenfalls auf Altbewährtes. Sie hat für die Wahlen bereits ein Bündnis mit der ultranationalistischen MHP gebildet. Erdogan rechnet damit, so bereits in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl die absolute Mehrheit zu erhalten.