Auf wen auch immer sich Salvini und Di Maio einigen, das letzte Wort hat Staatspräsident Mattarella. Stimmt er dem Vorschlag zu, könnte eine neue Regierung bereits am Wochenende stehen. Ohne Einigung sind allerdings Neuwahlen wahrscheinlich.

Und darüber würde sich aktuell die Forza Italia am meisten freuen. Denn nur drei Tage nachdem der Ex-Premier den Weg für seinen Bündnispartner freigemacht hat, erklärte am Samstag ein Mailänder Gericht, das wegen Steuerbetrug verhängte Ämterverbot gegen den 81-Jährigen werde wegen "guter Führung" um ein Jahr verkürzt. Berlusconi könnte im Falle von Neuwahlen also bereits heuer antreten. Nach der Rehabilitierung wird Berlusconi wohl wieder versuchen, eine einflussreichere Rolle innerhalb der Mitte-rechts-Koalition einzunehmen.

Teure Wahlversprechen

"Von einer Regierung der Lega und der Fünf Sterne erwarte ich ein Gleichgewicht, das zu starken Schritten führen könnte, die bei einer technischen Regierung nicht anders wären", gibt sich Matteo trotz der Sorge zuversichtlich.

Dabei kommt rein wirtschaftlich gesehen kaum Freude auf. Die Wahlversprechen der Lega wie der Fünf-Sterne kosten jährlich viele Milliarden Euro und keine der Parteien hat je vorgerechnet, wie etwa ein Grundeinkommen in der Höhe von 17 Milliarden Euro pro Jahr (Fünf Sterne) oder Einbußen von 80 Milliarden Euro bei der Einführung einer Pauschalsteuer von 15 Prozent (Lega) finanziert werden sollen.

Auch wenn sich die neue Regierung auf einen pragmatischen Weg einigt und gewisse Wahlversprechen nur teilweise und schrittweise umsetzt, so hat keine der beiden möglichen Regierungspartner einen Plan vorgelegt, wie Italien seinen Verpflichtungen nachkommen will.

Das Land muss nämlich sein Staatsdefizit senken und sparen, denn die Verschuldung des Landes beträgt 130 Prozent der Wirtschaftsleistung. Italien belegt damit den vorletzten Platz in der Eurozone vor Griechenland. Von einem ausgeglichenen Haushalt wollen die beiden Parteien auch nichts wissen, die Lega will die Defizitquote sogar erhöhen. Di Maio tritt wiederum für die Stabilisierung des Defizits bei 1,5 Prozent ein. Und das ist nur einer der vielen Unterschiede der beiden Regierungsparteien in spe, die es zu fruchtbaren Kompromissen zu überwinden gilt.