Was die EU-Kritik angeht, sprechen Salvini und Di Maio dieselbe Sprache - was in Brüssel gar nicht gut ankommt. Der für Europafragen zuständige Staatssekretär Sandro Gozi warnte bereits, dass ein Bruch Italiens mit der EU das Land in den Ruin treiben würde. Schwerpunkte im Programm der Lega und der Fünf-Sterne wie Flat Tax, Mindestsicherung und Abschaffung der Pensionsreform seien mit Italiens Verbleib in der EU unvereinbar, so Gozi laut Medienangaben.

Analysten bezeichneten die Pläne zum Schuldenschnitt als unrealistisch. Dennoch deute der Ton in der Debatte darauf hin, dass die Beziehungen zwischen Italien und der EU in stürmisches Fahrwasser gerieten und sich die Haushaltslage verschlechtere, sagte Giuseppe Sersale, Fondsmanager bei Anthilia Capital Partners in Mailand.

Geld bräuchten die möglichen Koalitionspartner aber dringend, um ihre Wahlversprechen zu finanzieren. Die Lega fordert einen Einheitssteuersatz von 15 Prozent (dieser würde jährlich etwa 80 Milliarden Euro kosten). Die Sozialleistungen, welche die Fünf Sterne ankündigten, schlagen mit 17 Milliarden Euro zu Buche, die Rücknahme der Rentenreform mit weiteren 15 Milliarden. In der kommenden Woche will die EU-Kommission ihre Vorschläge für die Mitgliedsländer vorlegen. EU-Vizepräsident Valdis Dombrovskis ermahnte aber schon jetzt die künftige Regierung, am Schuldenabbau festzuhalten.

Rigide Migrationspolitik

Bei den Verhandlungen treten aber auch die Differenzen zutage, etwa bei den Themen Infrastruktur und Einwanderung. Die Lega hat nie einen Hehl um ihre Position in der Migrationspolitik gemacht. Die Partei würde am liebsten die Eurozone verlassen, die Grenzen schließen und Flüchtlinge aus dem Land schaffen. Salvini beansprucht für die Lega deshalb das Innenministerium, um, seinen Aussagen nach, das Problem der illegalen Einwanderung unter Kontrolle zu bringen. Während die Fünf Sterne im Wahlkampf einerseits auf rechtsgerichtete Slogans wie "Null Ankünfte" setzte, drängte sie auch auf ein Embargo für den Waffenhandel mit Ländern im Krieg, ein Anliegen mehrerer Linksparteien in Italien.

Die Aussicht auf eine stabile Regierung ist nach einer baldigen Einigung trotzdem prekär. Beide Parteien hätten nur in der Abgeordnetenkammer eine solide Mehrheit. Im Senat, der kleineren Kammer, würde sie nur sechs Stimmen betragen.