Der italienische Präsident Sergio Mattarella hat dem Juristen Giuseppe Conte den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt. Conte war am Montag von Lega und Fünf-Sterne-Bewegung als Premier einer gemeinsamen Regierung nominiert worden.

"Wir Haben es versprochen. Endlich beginnt in Italien eine neue Ära", kommentierte Fünf-Sterne-Chef Luigi Di Maio. Auch die Lega zeigte sich zufrieden. Die Querelen rund um einen verschönerten Lebenslauf des 53-jährigen Contes spielte die Fünf-Sterne-Bewegung herunter. Der "bösartige Tratsch" über Conte bezeuge die Angst einer "Kaste" vor dem Verfall. Sie sei aus reinem Überlebensinstinkt gegen das Neue eingestellt, kommentierte Fünf-Sterne-Gründer Beppe Grillo auf seinem Blog.

Ein Problem auf dem Weg zu einem neuen Kabinett ist noch der Posten des Wirtschaftsministers. Lega und Fünf-Sterne-Bewegung wollen Gerüchten zufolge den europakritischen Ökonomen Paolo Savona in das Amt einsetzen. In seiner Autobiografie "Come un incubo e come un sogno" (Wie ein Alptraum und wie ein Traum) attackiert Savona die Brüsseler Sparpolitik, die seiner Ansicht nach die Wirtschaftskrise in Italien vertieft hat. Savona betrachtet den Euro-Austritt als Möglichkeit. Der Europa-treue Präsident Sergio Mattarella könnte daher einen Wirtschaftsminister wie Savona als Mitglied der neuen Regierung ablehnen.

Savona bestritt zuletzt, dass er ein Anti-Europäer sei. "Die Schwierigkeiten der EU sind ihrer Führungselite zuzuschreiben. Sie behaupten, sich fürs Volk zu interessieren. In Wahrheit kümmern sie sich nur um sich selbst", so der Ökonom im Gespräch mit der Tageszeitung "L'Avvenire"

Angst an der Börse

Aus Angst vor einem harten Konfrontationskurs der künftigen italienischen Regierung gegen die EU werfen Anleger weiterhin Staatsanleihen aus den Depots. In der Folge zogen die Renditen der zehnjährigen Staatspapiere und damit die Refinanzierungskosten des hoch verschuldeten Lands auf ein 14-Monats-Hoch von 2,45 Prozent an, nachdem es Dienstagabend noch 2,33 Prozent waren.

Die EU-Kommission warnte vor Ansteckungsgefahren in der Eurozone. Auch viele Investoren sehen dieses Risiko, weshalb in den vergangenen Tagen die Renditen der spanischen und portugiesischen Staatsanleihen leicht anzogen. "Italien ist die Achillesferse der Eurozone", fasste Analyst Eugen Keller vom Bankhaus Metzler die Stimmung zusammen.