Dublin. Beim Referendum in Irland hat eine klare
Mehrheit der Wähler für ein Ende des strengen Abtreibungsverbots
gestimmt. Laut dem am Samstag veröffentlichten Endergebnis votierten 66
Prozent der Teilnehmer für das Recht auf Abtreibung. Die Beteiligung lag
bei 64 Prozent, der höchste Wert bei einem Referendum in Irland bisher.

Ministerpräsident Leo Varadkar, der sich vehement für die Gesetzesänderung eingesetzt hat, sprach am Samstag vom Höhepunkt einer stillen Revolution, die sich seit zwei Jahrzehnten in dem vormals streng katholischen Land vollzogen habe. Er kündigte an, die Gesetzesänderung noch vor Jahresende zu vollziehen. Das "Nein"-Lager gestand seine Niederlage ein. "Was die irischen Wähler gestern getan haben, ist ein Tragödie von historischem Ausmaß", sagte der Sprecher der Anti-Abtreibungskampagne, John McGuirk.

Irland hat eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze in der Europäischen Union (EU). Kein anderes gesellschaftspolitisches Thema hat die Bevölkerung so gespalten wie Abtreibung. Erst 2013 wurde das strikte Verbot für den Fall aufgehoben, dass das Leben der Mutter in Gefahr ist. Mit dem neuen Gesetz soll Abtreibung ohne Beschränkung in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft erlaubt werden.

Mehrheit in allen Altersklassen unter 65

Die Wahllokale hatten bis zum späten Abend geöffnet. Daher begann die Auszählung der Stimmen erst am Samstag um 10.00 Uhr. Mit dem Endergebnis wurde im Laufe des Tages gerechnet. Eine Nachwahlbefragung der "Irish Times" ergab eine überwältigende Mehrheit für die Gesetzesänderung in allen Alterklassen unter 65 Jahren. Bei den unter 24-Jährigen stimmten demnach neun von zehn dafür. Insgesamt ergab die "Irish Times"/Ipson MRBI-Befragung 68 zu 32 Prozent für das Ja-Lager. Eine vom Staatssender RTE in Auftrag gegebene Befragung ergab mit 69 zu 31 Prozent ein nahezu gleiches Ergebnis. Damit würde die Zustimmung deutlich über den Werten der Umfragen vor dem Referendum liegen.

Moderne Verfassung, modernes Land

Der irisische Ministerpräsident Leo Varadkar (39) begrüßt das sich abzeichnende Ja beim Referendum zur Lockerung des strikten Abtreibungsverbots in seinem Land. "Was wir heute sehen, ist der Höhepunkt einer stillen Revolution, die in Irland in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren stattgefunden hat", sagte Varadkar dem irischen TV-Sender RTE am Samstag.

"Die Menschen haben gesagt, dass wir eine moderne Verfassung für ein modernes Land wollen", sagte der konservative Regierungschef, der als Sohn indischer Einwanderer und bekennender Homosexueller selbst eine Identifikationsfigur für das gesellschaftlich bunte Irland ist. Die Abstimmung zeige, dass die Menschen in Irland Frauen respektierten, fügte Varadkar hinzu.