Genf/Berlin/Rom. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat die Regierungen Maltas und Italiens aufgefordert, gerettete Migranten an Bord des Rettungsschiffs "Aquarius" umgehend an Land gehen zu lassen. "Die Menschen sind in Not, ihnen geht der Proviant aus und sie brauchen schnell Hilfe", forderte Vincent Cochetel, UNHCR-Sondergesandter für das zentrale Mittelmeer, am Montag in einer Mitteilung.

"Umfassendere Fragen, wer die Verantwortung trägt und wie die Verantwortung zwischen den Staaten am besten verteilt werden kann, sollten später behandelt werden", so Cochetel. Weder Malta noch Italien wollen das auf dem Meer ausharrende Schiff der Organisationen SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen mit 629 Migranten in ihre Häfen einlaufen lassen. Unter den Geretteten sind auch mehr als 100 Kinder. Sie wurden am Wochenende bei sechs Einsätzen im zentralen Mittelmeer von seeuntauglichen Booten geholt.

Fronten sind verhärtet

Die EU-Kommission hat an die italienischen und maltesischen Behörden appelliert, dass die über 600 Migranten an Bord des Flüchtlingsschiffs "Aquarius" schnellstens sicher an Land gebracht werden sollten. Der humanitäre Aspekt stehe im Vordergrund.

Laut internationalem Recht liege die Entscheidung in der Hand des jeweiligen EU-Staates. Jedenfalls sollten alle Anstrengungen darauf konzentriert werden, die Zeit für die Migranten an Bord des Schiffs so kurz wie möglich zu halten.

Befragt, ob Italien entscheiden könne, dass das Schiff nach Malta fährt und was passiert, sollte Malta diese Entscheidung nicht akzeptieren, sagte die Sprecherin, es gebe "keine einfachen Antworten in dieser Komplexität". Die "wirkliche Frage für uns heute ist, den Menschen Unterstützung zu geben".

Der neue italienische Innenminister und Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, hatte es zum ersten Mal einem Rettungsboot untersagt, in einen Hafen des Landes zu fahren und Malta gebeten, sich um die Einwanderer zu kümmern. Der Inselstaat lehnt dies ab, die Fronten sind verhärtet.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel rufe alle Beteiligten auf, "ihrer humanitären Verantwortung gerecht zu werden", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin mit. Deutschland sei schon lange der Auffassung, dass besonders durch die Migrationskrise belastete EU-Staaten wie Italien "nicht alleine gelassen werden dürfen", fügte Seibert hinzu.