Brüssel. Es begann nicht erst vor zwei, drei Jahren. Schon weit länger stehen die Themen Migration und Flüchtlingspolitik regelmäßig auf der Agenda der Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs ganz oben. Und an dramatischen Appellen hat es dabei selten gefehlt.

Oktober 2013: Vor der italienischen Insel Lampedusa sinkt ein Boot mit hunderten Flüchtlingen an Bord. 360 Menschen werden tot geborgen. Einige Tage später diskutieren EU-Spitzenpolitiker beim Gipfel in Brüssel über eine Verteilung von Migranten und finanzielle Unterstützung für Italien. Rom hat da schon lange auf die tausenden Toten im Mittelmeer hingewiesen und Unterstützung von anderen EU-Mitgliedern eingefordert.

April 2015: Ein Mal mehr ertrinken hunderte Menschen bei einem Bootsunglück. Wenige Tage später beraten die Staats- und Regierungschefs bei einem Sondergipfel in Brüssel über einen Ausbau der Seenotrettung und eine Stärkung der Grenzschutzagentur Frontex. Die Pläne zu einer verpflichtenden Verteilung von Flüchtlingen innerhalb Europas bleiben umstritten. Osteuropäische Staaten sind gegen eine Quotenregelung, aber auch beispielsweise Frankreich ist skeptisch.

Herbst 2015: Hunderttausende Menschen machen sich über die Balkanroute auf den Weg nach Westeuropa. Deutschland drängt auf ein Abkommen mit der Türkei zum besseren Grenzschutz; Österreich bereitet die Schließung der Balkanroute vor. 2016 gehen die Zahlen der Ankünfte deutlich zurück.

Juni 2018: Ein Regierungsstreit in Berlin bringt das Thema Migration mit neuer Heftigkeit wieder auf die Tagesordnung. Nach einem Sondertreffen in Brüssel sprechen die Spitzenpolitiker bei ihrem regulären Gipfel über Grenzschutz und die Einrichtung von Flüchtlingslagern außerhalb Europas.

Angedeutete Boxschläge


Die Stimmung zu Beginn der zweitägigen Zusammenkunft, die am heutigen Freitag fortgesetzt wird, wirkt gelöst. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint weniger angespannt als bei der Bundestagsdebatte in Berlin wenige Stunden zuvor. Der portugiesische Premier Antonio Costa verteilt an seine Amtskollegen angedeutete Boxschläge. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron scherzt mit dem luxemburgischen Ministerpräsidenten Xavier Bettel. Und der belgische Regierungschef Charles Michel überreicht der britischen Premierministerin Theresa May ein rotes Fußball-Trikot mit der Nummer 10 darauf. Für den Abend ist nämlich das WM-Zusammentreffen der Teams beider Länder angesetzt.