Sammelzentren, Flüchtlingslager, Anlandestellen - die EU-Staats- und Regierungschefs diskutieren heftig darüber, wie in Seenot geratene Migranten von einer Einreise nach Europa abgehalten werden können. Aber was steht wirklich zur Debatte? Und wie realistisch ist das, was da diskutiert wird? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema im Überblick:

Welche Ideen stehen im Raum?

Nach Angaben der EU-Kommission kommen derzeit zwei Optionen in Frage. Zum einen geht es um Sammellager in nordafrikanischen Küstenstaaten, in die aus Seenot gerettete Flüchtlinge zurückgebracht werden sollen. In Zusammenarbeit mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR könnten Schutzbedürftige von dort aus auf EU-Länder verteilt werden. Jene, die nicht schutzbedürftig sind, müssten zurück in ihr Heimatland und würden dabei von der Internationalen Organisation für Migration IOM unterstützt.

Die zweite Möglichkeit sind Flüchtlingszentren innerhalb der EU, in die Bootsflüchtlinge gebracht werden könnten. Daran wären auch die EU-Asylagentur und die EU-Außengrenzschutzagentur Frontex beteiligt. Dies hatten Frankreich und Spanien vorgeschlagen. Anders als in den afrikanischen Sammellagern würden hier die deutlich komplexeren EU-Asylregeln gelten.

Welche Länder sind im Fokus?

Häufig genannt werden die nordafrikanischen Mittelmeerstaaten Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten. Man arbeite eng mit den Ländern zusammen und wolle die Kooperation noch ausbauen, sagte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos. Auch die europäischen Länder Albanien und Mazedonien sind schon länger im Gespräch - würden aber nicht unter die von der EU-Kommission genannten Optionen fallen.

Sind solche Zentren tatsächlich denkbar?

Politisch ernten gerade vor allem die Sammellager in Nordafrika Zustimmung. Im seinem Einladungsschreiben an die Staats- und Regierungschefs für den EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag schreibt EU-Ratspräsident Donald Tusk von "regionalen Anlande-Plattformen außerhalb Europas, falls möglich in Zusammenarbeit mit dem UNHCR und der IOM". Ziel sei, das Geschäft der Menschenschmuggler und das Sterben auf dem offenen Meer zu beenden. Für Flüchtlingszentren innerhalb der EU würde sich wohl kein Land finden.

Was sagen Kritiker über diese Vorschläge?

Mehrere Politiker warnen davor, Gefängnisse oder Internierungslager zu schaffen. Am Mittwoch veröffentlichten 17 Hilfsorganisationen, unter ihnen Pro Asyl und Amnesty International, zudem eine Erklärung, in der sie vor der Aushöhlung des Flüchtlingsschutzes in der EU warnen. Auch UNHCR und IOM sind nicht besonders begeistert. Asyl zu suchen sei ein Recht, das die EU unter allen Umständen sichern müsse, sagt IOM-Sprecher Ryan Schröder. UNHCR-Sprecher William Spindler sagt: "Wir unterstützen keinerlei Vorschläge, den Asylprozess zu verlagern, wenn das zum Ziel hat, die Verantwortung abzuschieben und Asyl in Europa einzuschränken." Die EU-Kommission betont hingegen, das Völkerrecht werde bei allen Vorschlägen geachtet. "Auf keinen Fall wird es Gefängnisse (. . .) geben", sagt ein Sprecher. Avramopoulos sagte zuletzt auch, es gehe nicht darum, die Verantwortung für Flüchtlinge auszulagern.