Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe tauchen ab. Sie hausen monatelang zu dritt in einem Zimmer. Schon ein normales Paar hätte damit Probleme, sagt Zschäpes Anwältin Anja Sturm in ihrem Plädoyer. Wie das zu dritt funktioniert haben könnte, weiß sie auch nicht. Erste Überfälle bringen Geld, so rauben Böhnhardt und Mundlos einen Supermarkt aus und erbeuten 15.000 Euro. Weitere Überfälle bringen 600.000 Euro, Geld, dass das Trio für sein Leben im Untergrund braucht.

Im Prozess stellte sich Zschäpe als Figur dar, die die Mordserie nur am Rande mitbekommen haben will und keine Mittäterin war. Zu Weihnachten 2000 habe Böhnhardt ihr den ersten Mord gebeichtet, sagte sie vor Richter Götzl, sie sei entsetzt gewesen. Böhnhardt habe hoch und heilig versprochen, dass so etwas nie wieder passiert. So oder ähnlich soll es in den folgenden Jahren auch nach den Morden zwei bis zehn gewesen sein. Nach 2007 ist Schluss mit dem Töten. Vier Jahre leben die drei da noch zusammen, bis zu einem gescheiterten Banküberfall und dem anschließenden Selbstmord der Männer.

Bestand der NSU wirklich
nur aus drei Personen?

Der Prozess wühlt Deutschland auf, viele Fragen sind offen, viele Ungereimtheiten verlangen nach einer Antwort: Da ist die bis heute dubiose Rolle eines Verfassungsschützers, der in Kassel im Nebenraum eines Internetcafés saß, als Böhnhardt und Mundlos den jungen Betreiber hinter der Ausschank erschossen. Zu den Fragen, die bis heute offen geblieben sind, zählt auch diese: Bestand der NSU wirklich nur aus drei Personen? Gab es nicht viel mehr Unterstützer in der rechtsextremen Szene, die heute noch immer unbekannt sind?

Der "Spiegel" formuliert weitere düstere Ahnungen: "In einem Deutschland", schreibt das Magazin, "in dem das Bundeskriminalamt zwischen 2015 und 2017 mehr als 2300 Übergriffe gegen Asylunterkünfte gezählt hat und in dem kein gesellschaftlicher Aufschrei darüber erfolgte, hätten sich die zwei (Mundlos und Böhnhardt, Anm.) sicherlich wohlgefühlt. So sieht das "Erbe" des NSU zurzeit aus."

Die Opfer des NSU

Enver Simsek war das erste NSU-Mordopfer. Der aus der Türkei stammende 38-Jährige wurde am 9. September 2000 von Böhnhardt und Mundlos vor seinem mobilen Blumenstand in Nürnberg mit acht Schüssen niedergeschossen und starb zwei Tage später im Krankenhaus.

Aburrahim Özudogru ist das zweite von insgesamt drei NSU-Opfern aus Nürnberg. Der ebenfalls türkischstämmige 49-Jährige wurde am 13. Juni 2001 durch zwei gezielte Kopfschüsse in seiner Änderungsschneiderei getötet.

Süleyman Tasköpru starb zwei Wochen später am 27. Juni 2001 in einem von seinem Vater betriebenen Obst- und Gemüsegeschäft in Hamburg-Bahrenfeld. Der 31 Jahre alte Vater einer Tochter starb wie Simsek durch Schüsse aus zwei Pistolen, einer als Haupttatwaffe der NSU-Morde geltenden Ceska und einer Bruni Modell 315.

Habil Kilic wurde am 29. August 2001 in seinem Obst- und Gemüseladen in München erschossen, er wurde 38 Jahre alt. Nach dieser Tat haben Böhnhardt und Mundlos offenbar bis 2004 keine weiteren Morde begangen.