Niemand hatte mit zehntausenden Demonstranten gerechnet. Die Protestbewegung wirkte erlahmt und resigniert, zumal sie kaum noch mit politischen Verbündeten rechnete: Die Mitte-rechts-Parteien sind führungsschwach, zersplittert und teilweise ebenfalls an einer Lockerung der Antikorruptionsgesetze interessiert. Staatschef Johannis, der im Februar 2017 noch persönlich gegen die Regierung mitdemonstriert hatte, wirkte zuletzt hilflos. Auf Druck eines Urteils des regierungstreuen Verfassungsgerichts hatte er Laura Kövesi entlassen, die Chefin der Antikorruptionseinheit der Staatsanwaltschaft DNA. Auch wohlwollende Kritiker warfen Johannis vor, sich nicht entschlossen genug gegen die Anti-Rechtsstaat-Offensive der PSD gestemmt zu haben. Er hätte, so hieß es in Medienkommentaren, darauf verweisen können, dass es etliche andere, Jahre alte Verfassungsgerichtsurteile gibt, die in Rumänien nicht umgesetzt wurden - und somit den Personalwechsel bei DNA zumindest hinauszögern können. Vorgehalten wird Johannis auch, dass er Viorica Dancila (PSD) als Dragneas Marionette für die Position der Ministerpräsidentin akzeptiert hat.

Als einziger sichtbarer Feind blieb für Dragnea nur noch die Macht der Straße übrig. Dem entsprechend war die Polizei am Freitag wie entfesselt: Sie prügelte Frauen, Kinder, Rollstuhlfahrer und Journalisten, darunter einen ORF-Kameramann, was zuletzt auch Kritik von Bundeskanzler Sebastian Kurz nach sich zog.

Jetzt könnte Dragnea wegen seiner gewalttätigen Polizisten auch Probleme mit einem seiner jüngsten Verbündeten bekommen. Liebedienerisch hat er Israel kürzlich die Verlegung der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem versprochen. In der Krawallnacht wurde aber auch eine völlig unbeteiligte Gruppe israelischer Touristen von den Gendarmen geschlagen. "Wir halten diesen Vorfall für inakzeptabel und extrem ernst", erklärte Israels Botschaft am Montag in Bukarest.