Das ist auch in Österreich der Fall, obwohl die Politiker immer wieder ihre Unterstützung für die EU-Annäherung der Westbalkan-Länder deklarieren. So ergab eine im Juni veröffentlichte Telefon-Umfrage des Marktforschungsinstituts Akonsult im Auftrag der Regionalmedien Austria, dass lediglich zwei von zehn Befragten eine Aufnahme neuer Staaten in die Union befürworten. Fast ein Zehntel der Österreicher ist unentschlossen.

Die Skepsis in der Wählerschaft ist den Regierenden bewusst. Der französische Präsident Emmanuel Macron betont daher immer wieder, dass eine Vertiefung der EU vor deren Erweiterung Vorrang habe. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat deutlich gemacht, dass sich die Gemeinschaft wohl nicht 2025 vergrößern werde.

Einige Wirtschaftsexperten geben ebenfalls zu bedenken, dass das Zieldatum "höchst ambitioniert" ist. So formulieren es die Wissenschafter vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Zwar seien aus ökonomischer Sicht Serbien und Montenegro die Spitzenkandidaten für einen EU-Beitritt. "Doch die politischen Hindernisse innerhalb und außerhalb des Westbalkans dürfen nicht unterschätzt werden", schreiben die Experten. Es geht dabei sowohl um innenpolitische und zwischenstaatliche Zwistigkeiten - etwa zwischen Serbien und dem Kosovo - als auch um den mangelnden Enthusiasmus in der EU.

Wirtschaftswachstum nötig

Selbst bei der Erfüllung der wirtschaftlichen EU-Beitrittskriterien gibt es für die südosteuropäischen Länder noch etliche Schwierigkeiten auszuräumen. Dazu gehören laut WIIW Infrastrukturdefizite, schwache Wettbewerbsfähigkeit, hohe Arbeitslosigkeit und schwache Staatsführung. Die Arbeitslosenraten vor allem unter Jugendlichen sind in der Region hoch.

Der Südosteuropa-Experte und Leiter des Brüsseler Büros der Stiftung Wissenschaft und Politik, Dusan Reljic, weist darauf hin, dass die Staaten der Region nicht allein in der Lage sind, ihre Wirtschaft ausreichend anzukurbeln. Um in 30 Jahren bis zum EU-Durchschnitt aufzuholen, bräuchten sie jährliche Wachstumsraten von sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Derzeit sind es an die drei Prozent. Wenn aber die Wirtschaft stärker wachsen und in die Infrastruktur mehr investiert würde, würde das auch größere Perspektiven für die Bevölkerung bedeuten. Das "führt dazu, dass weniger Menschen emigrieren, und ermöglicht auch das Entstehen einer Mittelschicht, die derzeit nicht vorhanden ist. Die wiederum kann mehr politische Rechte fordern und dazu beitragen, die Korruption von unten zu bekämpfen", betont Reljic.

Solch eine Entwicklung läge ebenfalls sehr im - politischen wie ökonomischen - Interesse der EU, und daher wären europäische Finanzhilfen alles andere als verschwendetes Geld. Zum einen kommt politische Stabilität und eine Stärkung der Demokratie in der Region der EU zugute. Zum anderen "verdient die EU im Handel mit den Westbalkan-Staaten - und sie wird noch mehr verdienen, wenn diese Länder wirtschaftlich stärker werden", sagt der Experte.