Ziemlich beste Feinde: Großbritanniens Regierungschefin Theresa May und ihr schärfster Gegner Boris Johnson. - © reuters/Leon Neal
Ziemlich beste Feinde: Großbritanniens Regierungschefin Theresa May und ihr schärfster Gegner Boris Johnson. - © reuters/Leon Neal

Birmingham. (dpa) An diesem Sonntag kommen die britischen Konservativen zu ihrem viertägigen Parteitag in Birmingham zusammen. Die britische Premierministerin Theresa May dürfte mit heftigem Bauchweh anreisen. Sechs Monate vor dem EU-Austritt des Landes will sie ihre angeschlagene Position festigen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Ihre Brexit-Pläne werden überwiegend abgelehnt.

Nicht nur die Opposition und die Verhandlungspartner in der EU scheinen dagegen, ihre Vorstellungen treffen auch auf massiven Widerstand in den eigenen Reihen. Trotzdem will May daran festhalten. Sie wird wohl versuchen, die Aufmerksamkeit auf andere Themen zu lenken. Wird sie sich in der Löwengrube behaupten können?

Bei May, die am Montag ihren 62. Geburtstag feiert, dürften schmerzhafte Erinnerungen an den Parteikonvent im vergangenen Jahr in Manchester wach werden. Damals sollte ihre Rede zum Befreiungsschlag werden, doch sie geriet zum Fiasko: Zuerst konnte sie vor Hustenanfällen kaum sprechen, dann überreichte ihr ein Komiker ein Entlassungsschreiben, angeblich im Namen des damaligen Außenministers Boris Johnson. Schließlich fielen hinter ihr auch noch die Buchstaben des Parteitagsmottos von der Wand.

Johnson greift May frontal an

In diesem Jahr wird es keinen Komiker brauchen, der die Begehrlichkeiten Johnsons auf das Amt der Regierungschefin bloßstellt. Bereits am Freitag griff er May mit einem 4500 Worte langen Gastbeitrag im "Daily Telegraph" scharf an und legte gleichzeitig einen alternativen Plan für den Brexit vor.

Sollte dieser Parteitag so katastrophal enden wie der vergangene, hält der Politikwissenschafter Anand Menon vom King’s College in London einen Sturz Mays für möglich. Die Chancen für Johnson, sie abzulösen, schätzt er aber nicht allzu hoch ein. "Ich glaube, es wird sehr schwierig für ihn." Der Ex-Außenminister habe möglicherweise nicht ausreichend Unterstützung in der Fraktion, zudem gäbe es zunehmend Druck für einen Generationenwechsel.

Johnson und auch Ex-Brexit-Minister David Davis hatten im Juli im Streit um Mays Brexit-Pläne hingeschmissen. Sie fordern einen klaren Bruch mit Brüssel. Mays sogenannter Chequers-Deal sieht eine Freihandelszone mit der EU für Waren, aber nicht für Dienstleistungen wie Bankgeschäfte vor. Dafür soll sich Großbritannien eng an Produktstandards und andere Regeln des europäischen Binnenmarkts halten. Zollkontrollen am Ärmelkanal und an der Grenze zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland sollen durch ein kompliziertes System verhindert werden. Die Frage einer irischen Grenze und die Furcht vor einem Wiederaufflammen des Konflikts in der ehemaligen Bürgerkriegsregion gelten als schwierigste Stolpersteine bei den Austrittsverhandlungen.