Luxemburg. Die umstrittenen Schuldenpläne Italiens stoßen bei den Euro-Partnern auf Skepsis. "Die Signale bislang sind nicht sehr beruhigend", sagte der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra am Montag vor einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus dem Währungsraum in Luxemburg. Sein französischer Kollege Bruno Le Maire forderte die neue Regierung in Rom dazu auf, die europäischen Budgetmaßgaben einzuhalten. Der österreichische Finanzminister Hartwig Löger sagte, er vertraue darauf, dass sich Finanzminister Giovanni Tria mit einer vernünftigen Verhandlungsstrategie in Italien durchsetzt. "Wir haben in der Europäischen Union Regeln. Wir gehen davon aus, dass wir uns an Regeln halten", betonte Löger.

Italien provoziert mit seinen vorige Woche vorgelegten Haushaltsplänen für 2019 einen handfesten Streit mit der Europäischen Union. Denn die populistische Regierung in Rom will stärker investieren und kostspielige Wahlversprechen umsetzen - gegen den Willen des eigenen Finanzministers Giovanni Tria und Bedenken in Brüssel.

Zu den Kernpunkten des Pakets gehören ein Grundeinkommen für Arme und ein niedrigeres Pensionsalter. Die Neuverschuldung soll in der Folge nächstes Jahr bei 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Der parteilose Tria wollte das Haushaltsdefizit auf 1,6 Prozent begrenzen, um die Finanzmärkte zu beruhigen.

Nun muss er den Kurswechsel auf europäischer Bühne rechtfertigen. "Ich werde versuchen, die Geschehnisse und unseren Haushalt zu erklären", sagte Tria. Der Wirtschaftsprofessor wollte einer mit den Planungen vertrauten Person zufolge vorzeitig am Montagabend von dem Treffen in Luxemburg abreisen, um die Arbeit am Haushalt fortzusetzen. Damit verpasst er das am Dienstag anstehende Treffen der EU-Finanzminister.

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici betonte, dass der Budgetentwurf "offensichtlich" von den Vorgaben aus Brüssel abweiche und die Behörde prüfen werde, wie schwer die Regelverletzung sei und wie sie sich korrigieren lasse. Le Maire unterstrich die zentrale Bedeutung eines gemeinsamen Vorgehens. Die Zukunft der Länder Europas sei eng verwoben, sagte der Franzose. Wenn alle ihr Bestes gäben, um die Haushaltsziele zu erreichen, würde die Eurozone dadurch gestärkt werden.

Die EU-Kommission nimmt den Haushaltsentwurf - wie bei den anderen 18 Euro-Ländern auch - von Mitte Oktober bis Ende November unter die Lupe.