Sarajevo. (apa) Fast 23 Jahre ist es mittlerweile nun schon her, dass der blutige Bosnien-Krieg mit dem Friedensabkommen von Dayton sein Ende fand. Ein erfolgreicher, handlungsfähiger Staat hat sich aus dem Vertrag, der von US-Präsident Bill Clinton vermittelt wurde, freilich nicht entwickelt - eher ein Provisorium, das aus zwei Landesteilen besteht: der Bosniakisch-Kroatischen Föderation und der serbischen Republika Srpska. Die komplizierte Staatsstruktur und die anhaltenden Rivalitäten unter führenden Politikern haben Bosnien-Herzegowina bis heute in ein funktionsunfähiges Gebilde verwandelt.

Am Sonntag finden in diesem komplizierten multiethnischen Doppelstaat Wahlen statt. Gewählt werden sowohl Abgeordnetenhaus als auch das Staatspräsidium. Dass der Urnengang für frischen Wind sorgen wird, wird kaum erwartet. Bosnien-Herzegowina, das seit Jahren von denselben, untereinander tief zerstrittenen nationalistischen Politikern und ihren Parteien regiert wird, dürfte eher unverändert bleiben.

Auch wenn sich führende Politiker zu einer EU-Annäherung des Landes verpflichteten, sind sie im Alltag nach Kräften bemüht, diese zu vermeiden. Denn die Umsetzung europäischer Normen und Werte in einem Land, in dem die Arbeitslosigkeit derzeit bei rund 20 Prozent liegt - unter Jugendlichen sogar bei fast 60 Prozent - und sich junge qualifizierte Menschen vermehrt für die Auswanderung entscheiden, würde das von führenden Politikern aufgebaute Machtgefüge und die Freunderlwirtschaft in Gefahr bringen. Analysten gehen davon aus, dass es auch nach diesen Wahlen noch monatelang dauern dürfte, bis die einzelnen Institutionen zusammengesetzt sind. Im Rennen um rund 600 Ämter auf verschiedenen Ebenen des komplizierten Staatsgebildes befinden sich fast 7500 Kandidaten. 15 von ihnen ringen um drei Sitze in der Staatsführung, in der je ein Mitglied der drei Staatsvölker - Bosniaken (Muslime), Serben und Kroaten - vertreten ist. Insgesamt haben 69 Parteien und 36 Bündnisse ihre Kandidatenlisten angemeldet. Dazu kommen noch 34 unabhängige Kandidaten.

Neben den drei Mitgliedern der Staatsführung werden auch mehrere Parlamente - das gesamtstaatliche Parlament, die Parlamente der zwei Landesteile, der Bosniakisch-Kroatischen Föderation und der Republika Srpska, sowie zehn Kantonalversammlungen in der Föderation - gewählt. In der Republika Srpska wird auch über einen neuen Präsidenten abgestimmt. Dodik tritt an

Ein immer wieder vorkommender Nachwahlstreit ist im größeren Landesteil, der Bosniakisch-Kroatischen Föderation, vorprogrammiert. Dort werden zwei Mitglieder der Staatsführung, ein Bosniake und ein Kroate, gewählt.