Bukarest. In Rumänien haben am ersten Tag des Referendums über die Verankerung des Verbots der gleichgeschlechtlichen Ehe in der Verfassung kaum eine Million Wähler bzw. 5,72 Prozent der wahlberechtigten Bürger ihre Stimme abgegeben, wie die Wahlbehörde des Landes am späten Samstagabend bekannt gab.

In Bukarest sowie in acht Landeskreisen gab es zahlreiche Wahllokale, in denen die Wahlbeteiligung am Samstag bei Null lag bzw. wo den ganzen Tag über keine einzige Stimme abgegeben wurde. Damit die nötige Wahlbeteiligung von 30 Prozent erreicht wird, müssten am heutigen Sonntag mindestens 4,5 Millionen Wähler ihre Stimme abgeben.

Dutzende Anzeigen wegen Mehrfachstimmabgabe

Der Soziologe Barbu Mateescu sagte der rumänischen Presse, dass das Referendum "nach derzeitigem Stand der Dinge wenig Aussichten auf Erfolg hat". Ohne eine "massive Mobilisierung der in das religiöse Leben ihrer Gemeinschaft eingebundenen Menschen" sei der Volksentscheid zum Scheitern verurteilt, ausschlaggebend würden deshalb der "heutige Vormittag und Mittag sein, nachdem die Menschen den Gottesdienst besucht haben". Der Soziologe Gelu Duminica verwies seinerseits darauf, dass es zu früh sei, um den Ausgang des Referendums vorwegnehmen zu wollen. Sollte sich die Tendenz von Samstag jedoch fortsetzen, könne man eindeutig von "einer den Politikern erteilten Lektion" der Menschen sprechen, so Duminica.

Der erste Tag der Volksbefragung am Samstag verlief nicht ohne Zwischenfälle: Bei den Behörden gingen Dutzende Anzeigen wegen Mehrfachstimmabgabe, Wahl durch Minderjährige und Einschüchterung von Beobachtern ein.