Luxemburg. Die Europäische Union will sich nach den Worten ihres Unterhändlers Michel Barnier mehr Zeit für die Brexit-Verhandlungen nehmen. Man werde die Gespräche mit London in den nächsten Wochen "ruhig und ernsthaft" weiter führen, um zu einer umfassenden Lösung zu kommen, sagte Barnier am Dienstag in Luxemburg.

Die Verhandlungen über den für 2019 geplanten britischen EU-Austritt waren am Sonntag in eine Sackgasse geraten. Knackpunkt ist immer noch die Frage, wie Schlagbäume und Kontrollen an der künftigen EU-Außengrenze in Irland vermieden werden können.

Vorerst standen die Zeichen aber eher auf Verhärtung der Fronten: Der britische Brexit-Staatssekretär Martin Callanan schloss jegliche Grenze zwischen Großbritannien und Nordirland aus. Außerdem könne Großbritannien nur ein temporäres Zollregime mit der EU akzeptieren, sagte Callanan in Luxemburg. Großbritannien werde an diesen Verhandlungspunkten strikt festhalten. "Natürlich wollen wir einen Deal", sagte der Staatssekretär. "Ein No Deal wäre kein gutes Ergebnis." Aber Großbritannien bereite sich auf einen No Deal vor, so wie dies jede verantwortungsbewusste Regierung auch tun würde.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker machte ebenfalls deutlich, dass die EU jetzt noch nicht aufgeben will. "Ich hätte gern ein Abkommen, weil kein Abkommen heißt: Katastrophe", sagte Juncker. Deshalb bemühe er sich zusammen mit Ratschef Donald Tusk weiter um ein Abkommen mit Großbritannien.

Noch kein Durchbruch

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der derzeit den Vorsitz der EU-Länder führt, will nach eigenen Worten ebenfalls alles tun, um ein ungeregeltes Ausscheiden Großbritanniens im März zu verhindern. "Denn ein 'Hard Brexit' wäre nicht nur zum Schaden von Großbritannien, sondern auch zum Schaden von uns in der Europäischen Union", sagte Kurz. "Ich glaube, dass wir da erfolgreich sein werden. Ich bin zumindest ein Optimist."

Die EU hatte eigentlich auf einen Durchbruch in den Verhandlungen mit London bis zum Gipfel ihrer Staats- und Regierungschefs ab Mittwoch gehofft. Doch beide Seiten konnten sich am Wochenende nicht auf eine Lösung für die künftige Grenze zwischen Irland und der britischen Provinz Nordirland einigen. Die Verhandlungen wurden daraufhin bis zum Gipfel am Mittwoch ausgesetzt.