Wien/Andorra la Vella. (wak) Andorra ist auf viele Arten ein besonderes Land. Technisch gesehen ist es ein Fürstentum, und es stehen zwei Fürsten an der Staatsspitze, die keine Monarchen im klassischen Sinn sind: Zum einen der Präsident Frankreichs, derzeit Emmanuel Macron, zum anderen der katalanische Bischof von Urgell, derzeit Joan-Enric
Vives i Sicília, die zusammen als repräsentatives Staatsoberhaupt fungieren.

Andorra liegt in den Pyrenäen. Wer das Land besuchen möchte, muss die Straße durch Frankreich oder Spanien nehmen. Einen Flughafen hat das 80.000-Einwohner-Land nicht.

Trotzdem will sich Andorra nun vermehrt auf dem internationalen Parkett etablieren. Möglich gemacht hat das 1993 die Magna Carta Andorras. Diese gibt dem Fürstentum die Möglichkeit, internationale Verträge abzuschließen. Gefeiert wurde das mit dem Beitritt zu den Vereinten Nationen im selben Jahr.

Andorra will nun seine Öffnung nach außen weiter forcieren, erzählt Andorras Außenministerin Maria Ubach Font, die dieser Tage in Wien war.

Die globale Wirtschaftskrise hat auch in Andorra Spuren hinterlassen: Seine wirtschaftlichen Hauptadern, der Tourismus und der Handel, haben gelitten. "Wir brauchen in Andorra eine Diversifizierung der Wirtschaft", erklärt Ubach Font bei ihrem Vortrag an der Diplomatischen Akademie. Das Land hofft auf einen fremdfinanzierten Anschub der Industrialisierung, um auf ein ähnliches Niveau wie der Zwergstaat Marino zu kommen. Dank eines Investmentgesetzes dürfen seit 2012 ausländische Investoren 100 Prozent eines andorranischen Unternehmens halten - früher waren nur 49 Prozent möglich.

Das soll erst der Anfang sein. Andorra ist derzeit - mit Marino und Monaco - in Gesprächen mit der EU über ein Assoziierungsabkommen, um im Binnenmarkt mitspielen zu können. Das Abkommen soll ähnlich sein wie jenes EU-Freihandels-Abkommen mit Norwegen oder Liechtenstein.

Die Tabak-Frage


Ein solches Abkommen muss aber auf Besonderheiten Rücksicht nehmen: Andorras Landwirtschaft ist von der Tabak-Produktion und dem Import abhängig. Doch derzeit sind landwirtschaftliche Güter nicht in der mit der EU bestehenden Zollunion enthalten. Die Steuereinnahmen des importierten Tabaks machen 25 Prozent des Staatseinkommens aus. In den Verhandlungen mit der EU hat Andorra eine Übergangsperiode von 30 Jahren erzielt, bis Tabak auch ein Teil der Zollunion sein wird.