Sie unterstützen eine Organisation, die ein Alarmtelefon für Flüchtlinge eingerichtet hat...

Dabei geht es darum, Menschen, die vorhaben, das Mittelmeer zu überqueren, eine Hilfeleistung anzubieten. Es gibt eine Telefonnummer, die man anrufen kann, wenn man in Seenot gerät, und ein Netzwerk von Aktivisten nimmt 24 Stunden am Tag diese Anrufe entgegen. Sie üben dann Druck auf die Küstenwache aus. Wenn diese nicht reagiert, wird politischer Druck ausgeübt, und es gibt auch die Möglichkeit, Klagen einzureichen und an die Öffentlichkeit zu gehen. Damit wollen wir die jetzige Situation beenden, in der viele Menschen im Mittelmeer ertrinken.

Denken Sie, dass Sie bald in den Kongo zurückkehren können?

Ich hatte zumindest immer den Wunsch, zurückzukehren. Die Leute denken oft, dass es uns hier gut geht, weil wir in Sicherheit sind, aber um ganz ehrlich zu sein, ich war nie glücklich, seit ich hergekommen bin. Ich will zurückkehren und dort aber nicht die Arme verschränken, sondern weiterhin für meine Sache aktiv sein. Ich lese tagtäglich davon, dass Oppositionelle im Kongo umgebracht werden, dass die Vergewaltigungen im Osten weitergehen, dass Menschen getötet und massakriert werden. Das ist für mich Grund genug, weiter aktiv zu bleiben, aber ich möchte das zu Hause im Kongo tun, und sobald es mir möglich ist, werde ich zurückkehren.

Gibt es Hoffnung auf Frieden im Kongo?

Ja. Es kommt nur auf den politischen Willen derer an, die für den Krieg verantwortlich sind. Damit meine ich nicht nur die nationale Regierung in Kinshasa, sondern auch die transnationalen Konzerne, die ein großes Interesse daran haben, dass die Rohstoffausbeutung weitergeht, vor allem mit dem berühmten Coltan, das in allen Mobiltelefonen zu finden ist. Es muss der politische Wille herrschen, dass sowohl aus Kinshasa, als auch aus dem Westen das Signal kommt: Wir wollen diese Situation beenden.