Viele Kavernen, Stellungsanlagen, Baracken, Postenstände und Stollen sind dank der Pflege und Instandhaltung der Dolomitenfreunde noch - oder wieder - gut erhalten. Freiwillige aus Österreich, Italien und aus dutzenden anderen Ländern haben alte Seilbahnen rekonstruiert, Soldatenfriedhöfe angelegt und Steige und Stellungen restauriert.

In ihnen erzählt Brandstätter von den ortsansässigen Bauern, die den blanken Karst gegen Freunde, Familien und Nachbarn verteidigen mussten. Aber auch Berg und Natur galt es zu besiegen. Gekämpft wurde selbst bei sechs Metern Schnee, in Höhen von bis zu 3850 Metern, wie am Ortler im heutigen Südtirol, wo sich die höchste Geschützstellung befand.

Der Krieg ist Bewohnern und Landschaft noch immer präsent

Die Erlebnisse des Krieges seien noch immer tief verwurzelt, auch wenn es keine Zeitzeugen mehr gebe, so Brandstätter. Da sind die Splitter italienischer Bomben, die noch in Häusern stecken und nun eingerahmt an den Krieg erinnern. Da sind frisch gefällte Bäume, die in Sägewerken nicht verarbeitet werden können, weil Metalldetektoren eingewachsene Granatensplitter oder Kugeln vermuten lassen, die die Sägeblätter zu zerfetzen drohen. Und da sind die Blindgänger und Projektile, die Bergsteiger noch heute bei Wanderungen finden und die als Andenken in vielen Höfen Platz gefunden haben.

Diese Präsenz des Krieges in Landschaft und im kollektiven Gedächtnis der Bewohner ist es, die die Konzertbesucher auch beim beliebten Radetzkymarsch erst nur zögerlich mitklatschen lassen. An diesem Abend spielen die österreichischen und ungarischen Militärkapellen Märsche der k.u.k. Armee, die mit der Monarchie zerfiel. Schwungvoll und heiter sei die Musik, weil sie Soldaten animieren sollte, mit breiter Brust in den Krieg zu ziehen, so Militärkapellmeister Dietmar Pranter. Natürlich stimme das auch nachdenklich.

Einer der grausamsten
Kriege, die es je gab

"Das war einer der grausigsten Kriege, die es überhaupt je gegeben hat. Da fällt einem gar keine Musik dazu ein", sagt der Musiker. Kurz vor dem Konzert hatte seine Kapelle, die aus vielen Grundwehrdienern besteht, das Gebirgskriegmuseum besucht.

Ein Österreicher im Grundwehrdienst betrachtet ein Tellereisen, das mit einem Drahtseil versehen war. Trat ein Späher des Feindes auf das versteckte Tellereisen, schnappte es zu. Nun konnten die österreichischen Soldaten den Feind in ihre Stellungen ziehen. Für die Jagd waren solche Vorrichtungen auch schon damals verboten, sie galten als zu grausam, waren mit dem weidmännischen Verständnis von Ethik nicht vereinbar. Für den Feind war nichts zu grausam. "Arg", kommentiert der Grundwehrdiener.

Schwere Granatenwerfer, Maschinengewehre - die gleichen Waffen, die beim Stellungskrieg im Tal verwendet wurden, wurden auch ins Gebirge transportiert. Obwohl erst Maultiere und später Seilbahnen halfen, musste der Tagesbedarf an Munition, Wasser und Nahrung für einen Soldaten von neun Männern gesichert werden. Vor Hunger und Verzweiflung stahlen Soldaten verfaultes Brot von einander. 1918 lag das Durchschnittsgewicht eines Soldaten an der Südfront zwischen 48 und 52 Kilogramm.