Viele ungarische Soldaten an der Front hatten keine komplette Uniform mehr, in manchen Einheiten waren die Männer derart ausgezehrt, dass sie nur noch apathisch im Schützengraben lagen, von Versorgung der Verwundeten konnte keine Rede mehr sein.

In Budapest wurde Mitte Oktober ein Revolutionsrat gebildet, der von Sturmkompanien zwecks Aufrechterhaltung der Ordnung eingenommen werden sollte - was aber nicht geschah. Damit hatte in Ungarn die "bürgerliche" Revolution am 31. Oktober gewonnen. Einige Soldaten drangen in das Haus des bisherigen ungarischen Ministerpräsidenten István Graf Tisza ein und erschossen ihn. Sie machten den autoritären Grafen persönlich für den Krieg verantwortlich und nahmen Rache. Mihaly Karolyi, ebenfalls ein Graf, wurde zum neuen Ministerpräsidenten ernannt.

Die Straßen gehörten den Radikalen und den Pazifisten, es war "ein Hauch von 1848er-Revolution spürbar", wie Rauchensteiner in "Der Erste Weltkrieg" schreibt. Hunderttausende zogen auf die Straßen und schmückten sich zum Zeichen der Gewaltlosigkeit mit weißen Astern. Deshalb ging das Ereignis auch als "Revolution der Herbstrose" (Az öszirozsas forradalaom) in die ungarischen Geschichtsbücher ein.

Der königlich-ungarische Kriegsminister Bela Lindner forderte am 1. November alle Ungarn an der Front auf, die Waffen niederzulegen. Nachdem Kaiser Karl, der in Ungarn als König Karl IV. firmierte, am 13. November 1918 auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften in Ungarn verzichtet (aber formal nicht abgedankt) hatte, rief die Regierung Karolyi am 16. November 1918 die Republik Ungarn aus. In deren Verfassung wurden die Redefreiheit und das allgemeine Wahlrecht für Männer und Frauen verankert.

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Mit der Auflösung der Donaumonarchie zerbröselte automatisch die k.u.k.-Front in Italien. Zahlreiche Einheiten machten sich einfach auf den Heimweg, um ihr neues Vaterland zu verteidigen. Andere gingen von der Etappe nicht mehr an die Front, meuterten, beschimpften die Offiziere und waren auf keinen Fall bereit, in letzter Sekunde für eine verlorene Sache zu sterben.

Am 24. Oktober eröffneten die Italiener mit alliierter Hilfe an der Gebirgsfront ihre Offensive, um der Monarchie den Todesstoß zu versetzen. Bald ging den verbliebenen k.u.k. Soldaten die Munition aus, auch die Kaiserjäger, Kaiserschützen, Kärntner, Oberösterreicher, Salzburger wollten nicht mehr und rebellierten. Vor allem als sie erfuhren, dass sie den Abzug anderer Einheiten - Tschechen, Ungarn, Ruthenen - decken sollten.

Die Lage war hoffnungslos, die Front löste sich auf. Die Italiener kamen problemlos voran. Rom wollte keinem Waffenstillstand zustimmen, sondern verlangte von Wien de facto die bedingungslose Kapitulation. Das wurde von Österreich angenommen, wobei Kaiser Karl versuchte, die Verantwortung für das Fiasko nicht selbst zu übernehmen, sondern auf einen Untergebenen abzuwälzen.