Wien. An die 1700 Arbeiter beschäftigt die Firma Collini österreichweit, über 120 sind es am Standort Wien im 21. Gemeindebezirk. Um Punkt 13 Uhr wird vor den Werkstoren - Collini ist auf Oberflächenbearbeitung von Metallen und Kunststoffen spezialisiert - der Warnstreik "angeblasen", kurz darauf findet sich der Großteil der Beschäftigten in einer Werkshalle ein. Toni Steinmetz und Regina Assigal von der Wiener Sektion der Metallergewerkschaft Pro-Ge sprechen zu den Arbeitern.

Rechtliche Informationen zum Streik werden ausgegeben, etwa auch für Lehrlinge und Leiharbeiter. Die Belegschaft wirkt motiviert. "Das ist keine Selbstinszenierung der Gewerkschaft", unterstreicht Assigal. Die Streikziele: Die Arbeitgeber sollen mit einem "abschlussfähigen Angebot" an den Verhandlungstisch zurückkehren, zudem besteht die Gewerkschaft auf den geforderten fünf Prozent Lohnerhöhung bei den Kollektivvertragsverhandlungen: Die Metaller wollen auf keinen Fall ein "Auseinanderdividieren" der Metallersparte akzeptieren. Der KV soll weiter für alle Fachverbände gelten, rückwirkend ab 1. November, so die Streikforderungen.

Montags könnte es ernst werden

Dass es bei den Warnstreiks um ein Signal an die Arbeitgerberseite geht, das klarmachen soll, dass man zu allem entschlossen ist, wird aber auch bei Collini deutlich. "Wir streiken auch, damit die Gegenseite aufhört, uns über die Medien auszurichten, womit die Belegschaften zufrieden sind", sagt Pro-Ge-Gewerkschafter Steinmetz. Spätestens am Donnerstag sollen die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. "Ihr glaubt ja nicht, wie freundlich die immer zu uns sind, bei den Verhandlungen. Aber hergeben wollen sie nichts!" Sollte es keinen für die Gewerkschaft akzeptablen Verhandlungsvorschlag seitens der Industrie geben, "werden wir am Montag einen ganztägigen Streik ausrufen", kündigt Steinmetz an. Mehr als 200 solcher Warnstreiks fanden am Montag bundesweit statt. Dass auch der Wiener Standort der Firma Collini dabei ist, sei kein Zufall, ist auch auf der Streikversammlung zu hören.

Schließlich verhandelt Firmenchef Johannes Collini zusammen mit Veit Schmid-Schmidsfelden den Metaller-KV auf Arbeitgeberseite. "Nadelstich-Taktik" nennen die Gewerkschafter das Konzept, das darauf abzielt, die Gegenseite durch Warnstreiks in ausgewählten Betrieben zum Einlenken zu bewegen. Eine Lohnerhöhung von 2,7 Prozent, das war das letzte Angebot der Industrie - ursprünglich waren es nur 2,5 Prozent gewesen, das Angebot wurde nach Verhandlungsabbruch telefonisch noch auf 2,7 Prozent Erhöhung nachgebessert. In den kleineren Bereichen der Metallindustrie wird auch am Montag und Dienstag weiterverhandelt.

Auch 12-Stunden-Tag ist Thema

Reden und Diskussionen bei Collini drehen sich auch um den 12-Stunden-Tag und den drohenden Verlust der Stellung der Arbeitnehmer bei der Sozialversicherungsreform. Der Schritt stehe im Widerspruch zu dem in der Verfassung verankerten Recht auf Selbstverwaltung der Sozialversicherungsträger, versucht Gewerkschafterin Assigal die Collini-Belegschaft zu sensibilisieren. Von "politischen Ersatzgefechten am Rücken von Arbeitnehmern und Betrieben" sprach am Montag die ÖVP-FPÖ-Regierungsspitze. Bei Collini sieht man das entspannt. "Wir sind bereit", sagen die Arbeiter.