Wien. (rei) Die Österreicher sind auch weiterhin sehr zufrieden mit der Lebensqualität und der Entwicklung des Wohlstands - die steigenden Kosten fürs Wohnen aber belasten immer mehr Menschen, gleichzeitig sehen die Österreicher die Umwelt stark gefährdet. So könnte man die Ergebnisse der aktuellen Studie "Wie geht’s Österreich?" der Statistik Austria zusammenfassen. Die aktuelle Ausgabe der jährlich durchgeführten Studie wurde am Dienstag vorgestellt.

Erfreulich sind demnach die Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung: So stieg die reale Wirtschaftsleistung pro Kopf im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent (EU-28: plus 2,3 Prozent). Der private Konsum wuchs um 0,9 Prozent im Vergleich zu 2016, die real verfügbaren Haushaltseinkommen legten nur geringfügig zu (plus 0,1 Prozent). Ebenso erfreulich: Die Arbeitslosigkeit ging 2017 auf 5,5 Prozent zurück (2016: 6 Prozent).

Starke Polarisierung hoher und niedriger Einkommen

Trotz der positiven ökonomischen Entwicklung steuert Österreich aber auf eine zunehmende Polarisierung der Einkommensverhältnisse zu. "Niedrige und hohe Bruttojahreseinkommen der unselbständig Erwerbstätigen driften langfristig noch weiter auseinander", so Alexandra Wegscheider-Pichler und Ferdinand Leitner von der Statistik Austria am Dienstag. Zwar ging 2016 die Einkommensschere nicht weiter auseinander, doch sanken die Einkommen des untersten Quartils zwischen 2000 und 2016 um ganze 16,5 Prozent. Die Einkommen des obersten Quartils stiegen im selben Zeitraum um 1,8 Prozent. An der allgemeinen Zufriedenheit der Österreicher mit ihrer Lebensqualität ändert das aber nichts.

Auf einer Skala von 0 (überhaupt nicht zufrieden) bis 10 (vollkommen zufrieden) lag die durchschnittliche Lebenszufriedenheit 2017 bei einem Wert von 7,9. Dabei nahm auch der Anteil derjenigen, die ihre Lebensqualität gering einschätzen, ab. Nur noch jeder zehnte Befragte ist weniger zufrieden mit der eigenen Lebensqualität (2016: 11,2 Prozent). Nach wie vor hoch ist der Anteil der armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Personen in Österreich: 2017 befanden sich 18,1 Prozent der Österreicher in einer sozial und ökonomisch prekären Lage. Gegenüber 2016 (18,0 Prozent) blieb der Wert allerdings fast stabil. Der Studie liegen Bewertungen durch ein unabhängiges, externes Expertengremium zugrunde, die die jeweiligen Entwicklungen auf einer fünfteiligen Skala von sehr positiv bis sehr negativ beurteilten.

Sehr hoher Pro-Kopf-Energieverbrauch

Der einzige Indikator für die Lebensqualität, der tendenziell negativ bewertet wurde, ist der Bereich Wohnkosten, so die Experten der Statistik Austria. Mussten 2008 noch 6,1 Prozent der Österreicher mehr als 40 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufwenden, lag der Anteil 2017 bereits bei 7,1 Prozent und nähert sich so immer stärker dem EU-28-Schnitt von 10,2 Prozent der jeweiligen Bevölkerung an.

Ebenso tendenziell negativ bewertet wurden Themenbereiche wie Umweltschutz, Ressourcen- und Energieverbrauch. Zwar sank von 2005 bis 2017 die Feinstaubexposition um stolze 41 Prozent und der Anteil an Bio-Flächen in der Landwirtschaft stieg von 11,5 Prozent im Jahr 2000 auf 22,4 Prozent. Vor allem beim Material- und Energieverbrauch aber zählt Österreich europaweit zu den negativen Spitzenreitern. Besonders krass ist die Zunahme des verkehrsbedingten Energieverbrauchs: Dieser stieg zwischen 2000 und 2016 um ganze 31,7 Prozent - im EU-28-Durchschnitt stieg dieser Wert im selben Zeitraum lediglich um 6,6 Prozent.

"Österreich weist auch einen der höchsten Pro-Kopf-Energieverbrauch in ganz Europa auf", halten die Statistiker fest. 2016 lag Österreich im EU-Vergleich an 25. Stelle von 28. Nur die Schweden, Finnen und Luxemburger verbrauchen pro Kopf noch mehr Energie als die Österreicher.