Wien. Erlaubt ist alles bis auf Zungenküsse, Oral- und Geschlechtsverkehr: Sexualbegleiter unterstützen Menschen mit körperlicher oder kognitiver Beeinträchtigung dabei, ihren eigenen Körper zu entdecken und Sinnlichkeit zu spüren. Das kann über Streicheln, Liebkosen, Massagen, nackte Berührungen oder einfach nur Festhalten passieren. Die Kunden können dabei das Gefühl der Erregung und Befriedigung erleben - zum Beispiel, indem ihnen auch Wege zur Selbstbefriedigung gezeigt werden. Schleimhautkontakt ist für Sexualbegleiter jedoch tabu.

Dadurch unterscheidet sich deren Aufgabenspektrum zwar klar von jenem der Sexarbeiterinnen, und dennoch ist ihnen ein ganz wesentlicher Punkt gemein: Sie fallen beide unter das Prostitutionsgesetz, weil sie sexuelle Handlungen gegen Entgelt anbieten. Das ist der Grund, warum der Verein Alpha Nova in Kalsdorf bei Graz, der Menschen mit Behinderungen begleitet und unterstützt, die dreijährige Ausbildung zum Sexualbegleiter im Vorjahr eingestellt hat.

Einzige Ausbildungsmöglichkeit


Diese war im Jahr 2008 als österreichweit einzige Ausbildungsmöglichkeit gestartet, hatte aber laut Margit Schmiedbauer von der Fachstelle Hautnah des Vereins Alpha Nova stets im Graubereich agiert. Im Vorjahr habe dann das Land nach einer behördlichen Überprüfung konkret Position bezogen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen noch einmal abgesteckt, sagt Schmiedbauer, die Lebens- und Sozialberaterin sowie Mediatorin ist. Dem Prostitutionsgesetz folgend, müssen sich demnach auch Sexualbegleiter genauso wie Sexarbeiterinnen alle sechs Wochen untersuchen lassen und alle drei Monate einem Aids-Test unterziehen. Und: Sie haben einen speziellen Ausweis für das "Freisein von Geschlechtskrankheiten" bei sich zu tragen.

Diese vom Land noch einmal verdeutlichte Positionierung der Sexualbegleiter hatte nicht nur für diese besagte Konsequenzen. Auch der Verein Alpha Nova sah sich mit der Aufforderung seiner Fördergeber - darunter Land und Bund - konfrontiert, "zu deklarieren, dass wir ,sauber‘ arbeiten und förderungswürdig sind", so Schmiedbauer zur "Wiener Zeitung". Der Verein stellte die Ausbildung zur Sexualbegleitung ein. Die Fördergelder blieben.

"Die Kunden waren vor den Kopf gestoßen", sagt Schmiedbauer. Denn der Bedarf sei groß. "Wer keine Möglichkeit hat, Sexualität zu leben, gerät in Not und kann depressiv und/oder aggressiv werden. Davon sind Angehörige und Mitbewohner ebenfalls betroffen." Bei der Sexualbegleitung gehe es daher auch stark um das Setzen klarer Grenzen. "Sie ist ein wichtiger Schritt in Richtung Prävention sexualisierter Gewalt."