Wien. Werner Kogler sieht schon jetzt aus wie das Klischee eines Europaabgeordneten, das er als grüner Spitzenkandidat nach der Europawahl im Mai nächstes Jahr verkörpern könnte. Kogler, weißes Hemd und blauer Anzug, hat nicht viel mehr mit als einen schwarzen Rollkoffer, den er hinter sich herzieht, ein paar Zeitungen unter den Arm geklemmt und sein Smartphone. Letzteres streckt er hoch in die Luft und schüttelt es hin und her, als prophezeie er eine unfassbare Erfindung. Dieses Telefon sei derzeit sein Büro, sagt er. Das und irgendein Café in der Nähe oder der Zug, wenn es in die Bundesländer oder zu den momentan so erfolgreichen grünen Freunden nach Deutschland gehe. Vielleicht geht der Zug ja bald nach Straßburg.

Die Lindengasse im siebten Wiener Bezirk, das traditionsreiche Wohnzimmer der Wiener Grünen, sieht er seltener von innen, in der eine Handvoll Mitarbeiter der dezimierten Bundespartei nur Untermieter sind. Zumal die Wiener gerade einen Umzug planen. Da ist aber noch nicht sicher, wohin die Reise geht. Wie für die Grünen insgesamt.

Kogler, der am Samstag von seiner Partei am Bundeskongress zum Bundessprecher gewählt wird, weiß es selbst nicht. Er schwankt in seinem Befund zwischen letzter Chance und Zuversicht. "Wenn die Europawahl nichts wird, dann können wir für lange Zeit zusperren", sagt der Grüne Parteisanierer. Immer wiederholt er aber den Satz "Das musst du erst einmal herbringen" in reschem Steirisch, wenn sein Gegenüber die Grünen zu sehr im Sterben sieht. Dann spricht Kogler über die vergangenen Landtags- und Bürgermeisterwahlen, bei denen nur die Landtagswahlen in Salzburg und Kärnten so richtig verloren gingen. Sonst seien die Ergebnisse stabil geblieben. Wohin geht es nun wirklich?

Grüne Trümmer

Vor etwas mehr als einem Jahr schien alles verloren. Die Grünen flogen nach der Nationalratswahl aus dem Parlament. Bis zum Schluss wurden alle Alarmsignale von der Partei konsequent ignoriert. Erst im Sommer vor dem vorläufigen Ende drang es zu Einigen durch, dass das Unheil doch Realität werden könnte. Was nichts half. Ein vorangegangener elfmonatiger Präsidentschaftswahlkampf für Alexander Van der Bellen hatte die Parteikassen zudem ordentlich strapaziert, der Rauswurf aus dem Parlament trocknete sie endgültig aus. Die Länderparteien mussten mit ihrem Ersparten herhalten.

Seither war nicht mehr viel - weder Positives noch Kämpferisches - von den Grünen zu hören. Geld, Personal und die öffentliche Bühne waren über Nacht verschwunden. Der Widerstand gegen die amtierende Regierung ist kaum wahrnehmbar.