Wien. Werner Kogler ist am Samstag zum Bundessprecher der Grünen gewählt worden. Beim Bundeskongress in Wien gab es mit 203 von 205 gültigen Delegiertenstimmen einhellige Zustimmung für den bisher nur interimistischen Parteichef. Die Zustimmung mit 99,02 Prozent kam nicht überraschend, gab es doch keinen Gegenkandidaten.

"Ich nehme die Wahl an", sagte Kogler unter viel Applaus. Er will das Parteiamt für zwei Jahre ausüben und dann an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben. Zusätzlich soll er bei der EU-Wahl 2019 als Spitzenkandidat der österreichischen Grünen ins Rennen gehen.

Vor seiner Wahl hatte Kogler in einer fast einstündigen Rede versucht, seine Partei für einen Weg zurück zu Wahlerfolgen zu begeistern. "Rudern statt sudern!", lautete sein Aufruf. Grüne Politik sei eigentlich eine "Liebeserklärung an die Welt", zitierte er einen Unterstützer. Koglers Fazit: "Ökologie und Gerechtigkeit, diese Mischung hast du nur mit uns, deshalb braucht es Grün."

Mit Selbstironie über seinen Hang zu Zeitüberschreitungen mäanderte Kogler von Thema zu Thema, beklagte mangelnden journalistischen Zuspruch und schlug in rasant gesprochenen Schachtelsätzen einen Bogen von seiner Kindheit am Eisernen Vorhang zum heutigen Europa, vom Start der Ökobewegung zu den heutigen umweltpolitischen Herausforderungen und von der aktuellen Stärke der Rechtsparteien zur Notwendigkeit des Linksseins der Grünen.

"Riesenmalheur"

Das Debakel bei der Nationalratswahl 2017 bezeichnete er als selbst verschuldeten "ziemlichen Potsch'n". Man könne diesem "Riesenmalheur" als Katharsis aber auch Positives abgewinnen. Viele hätten erkannt, dass es die Grünen weiter brauche. Heute verzeichne man Nettozuwächse an Parteimitgliedern.

Vor allem an der Regierungspartei ÖVP rieb sich Kogler. Diese betreibe im Sozialen eine Umverteilung von unten nach oben. Beim Migrationspakt habe sie sich von rechten Trollfabriken treiben lassen, wo selbst die CSU in Deutschland richtig argumentiere.

"Mittlerweile ist Blau rechtsextrem, und rechtspopulistisch ist mittlerweile schon türkis", sagte er zur Schlagseite der österreichischen Regierungsparteien. Es gehe darum, "die Heimat Europa zu schützen vor den alten Nationalisten und den neuen Rechtsextremen". In der EU laufe vieles schief, sie deshalb infrage zu stellen, sei aber falsch: "Ich will ja wegen Schwarz-Blau auch nicht Österreich abschaffen."

Neuer Vorstand

Auch die neuen Mitglieder im Parteivorstand wurden gewählt. Neben Kogler und der bereits im alten Vorstand vertretenen Lara Köck kamen hier Ewa Dziedzic, Nina Tomaselli, Stefan Kaineder sowie Rudi Hemetsberger zum Zug. Ebenfalls gewählt wurde Finanzreferent - und damit auch Vorstandsmitglied - Wolfgang Raback; wie Kogler fungierte er bisher nur interimistisch.