Wien. Anlässe für frauenpolitische Forderungen finden Pamela Rendi-Wagner, bis zum Parteitag am kommenden Wochenende noch designierte Bundesparteivorsitzende der Sozialdemokratie, und SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek genug: 100 Jahre Frauenwahlrecht; wegen einer "Politik der Gleichgültigkeit" der ÖVP-FPÖ-Regierung; weil vor kurzem Equal-Pay-Day war.

Das durchschnittliche Jahreseinkommen von Frauen in Vollzeitarbeit macht mit 40.864 Euro aktuell um 20 Prozent weniger als die 51.053 Euro von Männern aus; die weibliche Pension fällt sogar um 44 Prozent geringer aus als die männliche. Solche Unterschiede sind für Rendi-Wagner "inakzeptabel". Und: "Geht’s den Frauen gut, geht’s den Männern auch gut."

Die SPÖ wird deshalb am Mittwoch mittels Entschließungsantrag ein Arbeitsmarktpaket für Frauen im Nationalrat einbringen. Es geht um drei Punkte: die Anrechnung von Karenzzeiten im Berufsleben, eine Verdoppelung der Überstundenzuschläge für Teilzeit-Arbeitende und die Berücksichtigung sogenannter Ersatzzeiten während einer Karenz, Arbeitslosigkeit oder Krankenständen auch bei Mindestpensionen.

Frauen haben andere Erwerbsbiografien als Männer


Frauen gehen nach der Geburt von Kindern häufiger und länger in Karenz. So kommt es, dass zum Beispiel im Dezember 2017 laut Statistik Austria 119.476 Frauen, aber nur 4773 Männer in Kinderkarenz waren. Das ist ein Anteil von nur 3,8 Prozent aller Kindergeldbeziehenden.

Aktuell werden bei Gehaltsvorrückungen, der Berechnung der Arbeitszeit für Urlaubsansprüche oder Kündigungsfristen zehn Monate einer Karenzzeit berücksichtigt. Die SPÖ fordert, dass künftig die gesamte Zeit, die ein Elternteil in Karenz war, ohne die acht Wochen Mutterschutz also bis zu 22 Monate zum Tragen kommen. "Das hilft Frauen sofort. Und es sorgt später für höhere Pensionen", sagt Heinisch-Hosek.

Insgesamt arbeiten in Österreich 29,1 Prozent aller Beschäftigten in Teilzeit - unter Frauen sind es aber 48 Prozent, unter Männern dagegen nur 12 Prozent. Die Statistik Austria stellt folglich fest, dass "Teilzeitarbeit typisch für Frauen" ist. Derzeit bringt eine Überstunde von Teilzeit-Arbeitenden aber einen Zuschlag von 25 Prozent - und das auch erst seit zehn Jahren. Jede Überstunde solle gleich viel wert sein, sagen die SPÖ-Frauen und fordern einen Zuschlag von 50 Prozent.

27 Prozent der alleinlebenden Pensionistinnen sind von Armut betroffen oder gefährdet, deutlich mehr als die 18 Prozent, die das sonst in Österreich sind. Für die Berechnung der von der Regierung angekündigten Mindestpension von 1200 Euro nach 40 Betragsjahren zählen jene mit Ersatzzeiten etwa während einer Karenz nicht. Die SPÖ-Frauen wollen deshalb, dass sie wie Arbeitszeiten zählen.