Wien. In Österreichs Pflegeheimen kommt die menschliche Zuwendung zu den insgesamt knapp 75.000 Heimbewohnern aufgrund der Arbeitsbelastung zu kurz. Für diese Form der persönlichen Betreuung neben der regulären Pflege bleibt weniger als zehn Prozent der Zeit: Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer ersten wissenschaftlichen Studie des Instituts für Psychologie der Universität Innsbruck durch Mitarbeiterbefragungen in 18 stationären Einrichtungen im Auftrag der Arbeiterkammer. Führungskräfte und Beschäftigte gaben an, dass sich der Bedarf nach Zuwendung durch eine verstärkte Suche nach Aufmerksamkeit von Seiten der Heimbewohner, Unruhe und häufiges Läuten aber auch vermehrtes Klagen über Schmerzen zeige.

"Pflege funktioniert nicht mit der Stoppuhr in der Hand", leitete daraus die Präsidentin der Arbeiterkammer, Renate Anderl, ab. Die Arbeiterkammer fordert deswegen vor allem mehr Personal in den Pflegeheimen. Das werde es "nicht zum Nulltarif" geben, es werde mehr Geld notwendig sein. Zuletzt waren in rund 900 Heimen etwa 41.000 Mitarbeiter im Einsatz. Bis 2050 wird wegen der alternden Gesellschaft der zusätzliche Personalbedarf auf 40.000 Personen geschätzt.

Anderl verlangte mit der Leiterin der Pflegepolitik in der Arbeiterkammer, Silvia Rosoli, am Montag allen voran eine bundesweit einheitliche statt einer länderweisen Methodik der Berechnung des Personals. Eine besondere Belastung stellen die Nachtdienste dar. Eine Sofortmaßnahme müsse jedenfalls sein, dass der Nachtdienst auf einer Station nicht mehr allein von einer Pflegekraft gemacht werden dürfe, sondern nur mehr gemeinsam mit diplomiertem Personal. Bei den Personalberechnungen dürften auszubildende Pflegeschüler, Zivildiener aber auch karenzierte Personen nicht mehr in die Personalpläne eingerechnet werden.

Digitale Gesundheitsdaten

Zwei Entwicklungen verschärfen die Personalproblematik in den Heimen. Die Fluktuation der Mitarbeiter ist groß, viele Bedienstete wechseln schon bis zum 25. Lebensjahr die Branche. Gleichzeitig steht eine Pensionierungswelle bevor. Die Mitarbeiterinnen sind durchschnittlich älter als 50 Jahre alt. Um den Beruf attraktiver zu gestalten, müsse es auch mehr Geld "für Mitarbeiter, die gute Pflege leisten wollen", geben.



Eine große Umwälzung bringt auch die Digitalisierung mit sich, die alle Gesellschaftsbereiche immer stärker durchdringt und vor dem Gesundheitsbereich keinen Halt macht. Genau deshalb kündigte die "Plattform Patientensicherheit" anlässlich ihres zehnjährigen Jubiläums an, dies zum Schwerpunkt zu machen und dem Gesetzgeber laufend Empfehlungen übermitteln zu wollen.

Heute sammeln Internetriesen wie Google riesige Datenmengen biologischer Natur, die mittels Algorithmen und künstlicher Intelligenz Krankheiten früher erkennbar machen sollen. An dieser Entwicklung führt in der Medizin kein Weg vorbei. "Der Trend zur umfassenden Mobilität ist evident", sagt der Sprecher der Österreichischen Patientenanwälte, Gerald Bachinger. "Nicht der Patient wird zu den Einrichtungen kommen müssen, sondern die gesundheitlichen Dienstleistungen werden zum Patienten kommen." Für frühere und exaktere Diagnosen und vor allem für die Behandlung chronisch Kranker würden solche Datensammlungen entscheidend werden, so Bachinger.

Die Digitalisierung kann die Patientensicherheit erhöhen, aber Mediziner warnen auch vor Problemen. Einerseits ließen immer größere Datenmengen mehr Schlussfolgerungen und damit mehr mögliche Fehler zu. Andererseits steht die Entwicklung im Konflikt mit dem Datenschutz. Die Plattform Patientensicherheit hat Sicherheitstipps für Gesundheits-Apps herausgegeben. Sie empfiehlt beispielsweise, nicht zu viele Daten von sich preiszugeben, ohne zu eruieren, wofür die Daten verwendet werden und ob ausreichend Qualitätsmerkmale (Zertifikate, Siegel) und Schutzmechanismen wie Passwörter vorhanden sind.