Wien. Die Übergabe der Führung ist nicht nach Drehbuch verlaufen. Aber am Samstag und Sonntag soll alles planmäßig und geschmeidig über die Bühne gehen: Pamela Rendi-Wagner (47) wird beim Parteitag der SPÖ in Wels zur ersten Frau an der Spitze der Sozialdemokratie gewählt: Sie wird die zwölfte Vorsitzende seit 1889. Schon am Samstag stellt sie sich der Wahl - zuvor wird sie den rund 650 Delegierten und rund 800 Gästen erklären müssen, warum sie die Richtige für den Neustart der Partei ist.

Sexismusdebatte

Ein wenig Sand ins Getriebe brachte der erst am Montag vom Tiroler Landesparteivorstand zum Nachfolger von SPÖ-Landesparteichefin Elisabeth Blanik nominierte Georg Dornauer junior. Sein Sager während einer Landtagssitzung in Richtung der krankheitsbedingt fehlenden grünen Landesrätin Gabriele Fischer ("Ich will mir die Landesrätin nicht in der Horizontalen vorstellen") hatte zur Rücktrittsaufforderung der SPÖ-Frauenchefin Gabriele Heinisch-Hosek geführt, die am Freitag beim SPÖ-Bundesfrauenkongress in Wels zum fünften Mal zur Frauenchefin gewählt wurde. Auch Rendi-Wagner machte klar, dass Dornauer sich mit dieser Aussage als ihr Stellvertreter disqualifiziert habe. Der fand indes, dass seine Stimme in Wien auch ohne diese Funktion Gehör finden werde. Das wüssten die Tiroler Genossen.

Dornauer stand aber ohnehin nicht als Stellvertreter zur Wahl. Insgesamt werden beim Parteitag 20 Stellvertreter für Rendi-Wagner gewählt, wobei alle Bundesländer mit den jeweiligen Parteivorsitzenden vertreten sind, für Tirol steht allerdings Nationalratsabgeordnete Selma Yildirim auf der Liste.

Beobachter erwarten jedenfalls ein sehr gutes Wahlergebnis für Rendi-Wagner. Das sei schon deshalb anzunehmen, weil es nicht nur darum gehe, die neue Parteichefin mit einem Vorzeigeergebnis auszustatten, sondern weil die Partei selbst ein herzeigbares Votum brauche, sagt Meinungsforscher Peter Hajek zur "Wiener Zeitung". Auch Politikwissenschafter Anton Pelinka setzt seine Erwartungen hoch an: "Wenn sie nicht deutlich über 90 Prozent bekommt, wäre das ein schlechtes Zeichen." Die SPÖ müsse sich nun voll hinter ihre neue Vorsitzende stellen, wenn sie wieder Fuß fassen wolle. Rendi-Wagner habe jedenfalls Potenzial: Sie sei weiblich, gebildet und jung.

Unterstützung von Kern

Bereits am 22. September wurde die vormalige Sektionschefin im Gesundheitsministerium und spätere Gesundheits- und Frauenministerin vom Bundesparteipräsidium der SPÖ nominiert. Einstimmig. Das war dem am Ende überraschenden Rücktritt von Ex-Bundeskanzler Christian Kern als SPÖ-Bundesvorsitzender geschuldet. Kern fühlt sich als Opfer einer SPÖ-Intrige, wollte er sich doch beim Parteitag der Wiederwahl stellen, um erst dann seine Kandidatur für die EU-Wahl bekanntzugeben. Dieser Plan ist allerdings vorzeitig geleaked worden. Kerns Rücktritt war die Folge. Am Samstag wird er sich daher von den Genossinnen und Genossen verabschieden. Ob er seiner Rede eine Abrechnung beimengen wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls war im Vorfeld um den Auftritt Kerns viel Aufhebens gemacht worden. So wurde befürchtet, dass er der neuen Chefin die Show stehlen könnte. Angesichts dessen, dass Rendi-Wagner als seine Wunschnachfolgerin gilt, ist allerdings anzunehmen, dass er sie eher unterstützen als an die Wand spielen wird.