Nach zwei Stunden führen die Züge wieder, der Fahrplan entsprach erst nach und nach der Realität. - © APAweb, Robert Jaeger
Nach zwei Stunden führen die Züge wieder, der Fahrplan entsprach erst nach und nach der Realität. - © APAweb, Robert Jaeger

Wien. Die ÖBB haben um 14 Uhr nach Ende des Warnstreiks den Zugverkehr wieder aufgenommen. Die Fernverkehrszüge setzten ihre Fahrt ab 14.00 Uhr fort, der Nahverkehr folgte. Die Auswirkungen waren bis zum späten Nachmittag zu spüren.

Laut ÖBB waren rund 100.000 Fahrgäste von den Maßnahmen betroffen. Der Ausstand hatte auch Auswirkungen auf die Westbahn und etliche Lokalbahnen.

In den großen Bahnhöfen nahmen die meisten Fahrgäste die zweistündige Unterbrechung "mit der notwendigen Gelassenheit hin", sagte ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. In Linz, Graz und Innsbruck war es ruhig. Etliche Menschen, die eine Reise geplant hatten, waren durch die Medienberichte in den vergangenen Tagen schon vorgewarnt. In Salzburg klagten Reisende über mangelnde oder verspätete Informationen. Für Reisende nach München hatte die Bayerische Oberlandbahn kurzfristig Busse als Schienenersatzverkehr organisiert, die die Passagiere über die Grenze ins nahe Freilassing brachten.

Verhandlungen abgebrochen

Eine Einigung in den Verhandlungen zum Kollektivvertrag der Eisenbahner ist auch nach dem Warnstreik nicht in Sicht."Die nächste Stufe nach dem Warnstreik ist der Streik, aber soweit sind wir noch nicht", sagte vida-Chef Roman Hebenstreit nach dem Abbruch der neunten Verhandlungsrunde, die parallel zum Warnstreik lief.

Gewerkschafter und Arbeitgeberseite hatten sich zwei Stunden vor Streikbeginn zu kurzfristig anberaumten Verhandlungen in der Wiener Wirtschaftskammer-Zentrale getroffen. Arbeitgeber-Chefverhandler Thomas Scheiber hatte die Hoffnung, damit den Streik noch abwenden zu können.

Doch Hebenstreit und sein Team verließen eine Dreiviertelstunde nach Verhandlungsbeginn kommentarlos den Raum. Das "substanziell verbesserte Angebot" von 3,37 Prozent der Arbeitgeberseite lehnte die Gewerkschaft ab. In einer Aussendung erklärte die Gewerkschaft: "Hier im Vorfeld von einem substanziell verbesserten Angebot zu sprechen, das spottet jeder Beschreibung und ist eine Frechheit." Die Gewerkschaft kritisierte Einschüchterungsversuche und sieht das als Folge des Regierungswechsels. "Es ist mittlerweile wirklich viel möglich geworden in diesem Land", ließ sich Hebenstreit in der vida-Pressemitteilung zitieren.

Zwei Stunden lang standen am Montag die Züge still. - © APAweb / Helmut Fohringer
Zwei Stunden lang standen am Montag die Züge still. - © APAweb / Helmut Fohringer

Für eine zehnte Verhandlungsrunde gibt es noch keinen Termin. Beide Seiten erklärten nach dem Verhandlungsabbruch, nun die internen Gremien für Beratungen einzuberufen. Aufseiten der vida werde das binnen 48 Stunden passieren, so Hebenstreit. Weitere Streikmaßnahmen schloss der Gewerkschaftschef nicht aus: "Die nächste Stufe nach dem Warnstreik ist der Streik, aber soweit sind wir noch nicht."

Scheiber sagte, man werde nochmals ausloten, "welchen Verhandlungsspielraum wir haben". "Wenn das geschehen ist, wird es zu weiteren Gesprächen kommen."

Norbert Hofer gegen die Gewerkschaft

Österreichweit standen laut ÖBB wegen des Warnstreiks 670 Züge, davon 70 im Fernverkehr. Für ÖBB-Chef Andreas Matthä ist es "ein untragbarer Zustand, dass sich trotz der Angebote sowohl Wirtschaftskammer als auch Gewerkschaft offensichtlich nicht annähern können" und "ich kann nicht verstehen, dass man für dieses Angebot streikt". Leidtragende seien die Fahrgäste.

Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) positionierte sich klar gegen die Gewerkschaft und sagte über Hebenstreit: "Ich habe das Gefühl, er spielt bei einem Fußballmatch Rugby, und das passt nicht ganz zusammen." Das Angebot ist aus seiner Sicht sehr gut, für die beamteten Mitarbeiter höher als der Beamten-KV und für die anderen "in der Nähe des Abschlusses der Metaller". Alleine die ÖBB würde dieser Abschluss 80 Mio. Euro kosten. "Der Einzige, der einen Grund zum Streiken hätte, ist der Finanzminister", so Hofer.

Letzter Streik war 2003
Den letzten großen Bahnstreik gab es 2003. Als damals die schwarz-blaue Regierung die Bundesbahnen aufgliedern und per Gesetz in das Dienstrecht der Eisenbahner eingreifen wollte, rief der damalige Bahn-Gewerkschaftsboss Wilhelm Haberzettl im November einen "unbefristeten" Streik aus. Am dritten Streiktag lenkte die Regierung teilweise ein und erklärte sich für Verhandlungen bereit.