Deutliche Reallohnsteigerungen, 1.700 Euro Mindestlohn in jedem Kollektivvertrag und eine Angleichung der Gehälter von Frauen und Männern forderte Markus Wieser, der Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich am Montag. Anlass war die Präsentation der Einkommensanalyse 2017 der AK Niederösterreich.

Das Medianeinkommen in Niederösterreich ist nach Abzug der Sozialversicherung, der Lohnsteuer und der Inflation von 2016 auf 2017 um 10 Euro netto monatlich gesunken, so die Daten der Einkommensanalyse. Gering verdienende Beschäftigte sind von stagnierendem Einkommen besonders betroffen, weil deren notwendige Ausgaben für Wohnen und Leben überdurchschnittlich teurer geworden sind. "In den letzten zehn Jahren ist die Gesamtinflation um 20 Prozent gestiegen, beim Wohnen (23 %) und bei den Lebensmittelpreisen (26%) war der Anstieg deutlich höher. Das spüren zuallererst und am allermeisten jene mit kleinen Einkommen", erklärte Wieser

Die Zahl der Working Poor steigt in Österreich weiter an. §In Österreich sind 160.000 Menschen ganzjährig erwerbstätig und verdienen dabei aber so wenig, dass sie gerade noch überleben können." Aus diesem Grund forderte Wieser, dass es keinen Kollektivvertrag unter 1.700 Euro Mindestlohn mehr geben solle.

Gender Pay Gap

In Niederösterreich verdienen Männer immer noch um ein Drittel mehr als Frauen. Beim Brutto-Medianeinkommen der Frauen liegt Niederösterreich mit 1.614 Euro auf dem siebenten Platz aller Bundesländer. "Wir brauchen eine wirksame Angleichung der Einkommen von Frauen und Männern. Dazu gehören die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ebenso wie berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten und verstärkte Initiativen für Frauen in traditionellen Männerberufen."

AK-Wirtschaftsexperte Matthias Koderhold verwies darauf, dass für die Analyse nur die Daten der in Niederösterreich arbeitenden Menschen verwendet worden sind. Niederösterreich weise überdurchschnittlich viele einkommensschwache Branchen wie Handel oder Nahrungsmittelerzeugung auf. Das senke das Medianeinkommen im Land.

Working Poor

- © Statistik Austria
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In Österreich sind laut der EU 300.000 erwerbstätige Personen (18 bis 64 Jährige, die mehr als die Hälfte des Referenzjahres erwerbstätig waren) armutsgefährdet (Bericht SILC 2017). Das sind 8 Prozent der Erwerbstätigen. Das Risiko trifft zumeist Personen mit geringer Bildung bzw. Menschen, die auf Hilfsarbeitsjobs angewiesen sind.